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Kultur

Knollensellerie

Apium graveolens var. rapaceum
APUGR

Knollensellerie (Apium graveolens var. rapaceum, EPPO-Code: APUGR) ist eine ökonomisch bedeutende zweijährige Kultur, die im mitteleuropäischen Raum einjährig zur Gewinnung der verdickten Knolle (bestehend aus Hypokotyl und Wurzelhals) angebaut wird. Die Kultur stellt besonders hohe Ansprüche an eine gleichmäßige Wasser- und Nährstoffversorgung und zeichnet sich durch eine sehr lange Entwicklungszeit von der Aussaat bis zur Erntereife aus.

Für einen erfolgreichen Anbau ist die professionelle Jungpflanzenanzucht unter kontrollierten Bedingungen unerlässlich, da Knollensellerie in der Jugendphase extrem frostempfindlich ist und bei niedrigen Temperaturen rasch zur vorzeitigen Blütenbildung (Schossen) neigt. Die Ernte erfolgt je nach Vermarktungsausrichtung für den Frischmarkt ab dem Spätsommer oder als robuste Lagerware bis weit in den Spätherbst hinein.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte Februar bis Ende März (Aussaat unter Glas); Auspflanzung Mitte April bis Ende Mai
Erntefenster
Anfang August bis Ende November (je nach Vermarktungsausrichtung)
Reihenabstand
40–50 cm x 30–40 cm
Typischer Ertrag
40–60 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2600 °C (Basis 0 °C)
Boden-pH
6,5–7,5

Bodenmanagement

Knollensellerie benötigt tiefgründige, humose und mittelschwere Böden mit einer gleichmäßigen Wasserführung, da die Kultur sehr empfindlich auf Trockenstress reagiert. Ein optimaler pH-Wert liegt im schwach sauren bis neutralen Bereich, wobei eine ausreichende Kalkversorgung zur Vermeidung von physiologischen Störungen wie der Herzfäule (Bormangel) zwingend erforderlich ist. Aufgrund des hohen Nährstoffbedarfs, insbesondere an Kalium und Stickstoff, ist eine organisch-mineralische Düngung im Frühjahr ratsam. Bodenverdichtungen müssen unbedingt vermieden werden, da sie zu Verzweigungen der Knollen und Qualitätsverlusten führen. Eine gezielte Bewässerung, besonders während der Hauptwachstumsphase der Knolle ab August, sichert gleichmäßige Erträge und verhindert Rissbildung.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz bei Knollensellerie konzentriert sich stark auf die Vorbeugung von Pilzkrankheiten wie der Septoria-Blattfleckenkrankheit und bodenbürtigen Erregern wie Rhizoctonia solani und Sclerotinia sclerotiorum. Ein weiter Fruchtwechsel von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Doldenblütlern ist zur Reduzierung des Infektionsdrucks zwingend einzuhalten. Gegen tierische Schaderreger wie die Selleriefliege oder die Möhrenfliege (Chamaepsila rosae) hat sich der Einsatz von engmaschigen Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung bewährt. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf eine exakte Terminierung unter Berücksichtigung der Schadschwellen und der gesetzlichen Wartezeiten zu achten. Zudem müssen Herbizide im Vor- und Nachauflauf sorgfältig auf die Kulturverträglichkeit und das Unkrautspektrum abgestimmt werden, um Konkurrenz durch Ungräser wie Elymus repens zu unterdrücken.

Sorten

Prinz

Früh bis mittelfrüh

Hoher Ertrag im frühen Segment

Resistent gegen: Schossen, Septoria-Blattfleckenkrankheit

Anfällig für: Sclerotinia-Fäule

Sehr schossfeste Sorte, hervorragend geeignet für den frühen Anbau und den Frischmarkt. Bildet feste, weiße Knollen mit geringem Laubansatz.

Monarch

Mittelfrüh bis spät

Sehr hoher, stabiler Ertrag für die Lagerung

Resistent gegen: Hohlherzigkeit, Holzigkeit

Anfällig für: Septoria-Blattfleckenkrankheit

Standard-Lagersorte mit sehr glatter Haut und aufrechtem Laub. Die Knollen sind hochrund, fest und behalten auch nach dem Kochen ihre weiße Farbe.

Ibis

Mittelfrüh

Guter bis sehr hoher Ertrag

Resistent gegen: Schossen

Anfällig für: Rhizoctonia-Fäule

Schnellwüchsige Sorte mit aufrechtem, dunkelgrünem Laub. Sehr gut geeignet für den Bundabsatz und die frühe Industrie-Verarbeitung.

President

Mittelfrüh bis spät

Konstant hoher Marktwarenertrag

Resistent gegen: Schossen, Hohlherzigkeit

Anfällig für: Septoria-Blattfleckenkrankheit

Sehr bewährte Sorte für den Frischmarkt und die Lagerung. Zeichnet sich durch eine einfache Aufbereitung und sehr geringen Putzverlust aus.

Mars

Spät

Hervorragender Gesamtertrag

Resistent gegen: Septoria-Blattfleckenkrankheit

Anfällig für: Bormangel

Robuste Lagersorte mit starkem Wurzelsystem und sehr guter Haltbarkeit. Ideal für die späte industrielle Verarbeitung und Langzeitlagerung.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko für das gefürchtete Schossen beim Knollensellerie im professionellen Anbau minimieren?

Das Schossen wird durch Kältereize (Vernalisation) im empfindlichen Jugendstadium induziert. Um dies zu verhindern, muss die Jungpflanzenanzucht konstant bei Temperaturen über 16 °C erfolgen. Nach dem Auspflanzen im Freiland schützen temporäre Vlies- oder Folienabdeckungen bei frühen Pflanzterminen die Kultur effektiv vor kritischen Temperaturschwellen unter 12 °C.

Welche Bedeutung hat die Bor-Versorgung für die Knollenqualität und wie wird ein Mangel diagnostiziert?

Bor ist essenziell für die Zellteilung und den Transport von Kohlenhydraten. Ein Mangel führt zur sogenannten Herz- und Trockenfäule, erkennbar an braunschwarzen Verfärbungen und Hohlräumen im Inneren der Knolle sowie dem Absterben der Herzblätter. Da Bor bei hohem pH-Wert oder Trockenheit im Boden festgelegt wird, sollte bei Bedarf eine gezielte Blattdüngung im BBCH-Stadium 39 bis 43 durchgeführt werden.

Wie wird die Septoria-Blattfleckenkrankheit im integrierten Anbau überwacht und ab wann ist eine Behandlung notwendig?

Die Überwachung beginnt ab Juni durch regelmäßige Bonituren der älteren Blätter auf kleine, braune Flecken mit schwarzen Fruchtkörpern (Pyknidien). Eine chemische Behandlung mit zugelassenen Fungiziden sollte beim ersten Auftreten von Symptomen erfolgen, insbesondere bei feucht-warmer Witterung, da sich der Erreger über Regenspritzer rasch ausbreitet. Die Einhaltung der Wartezeit des gewählten Pflanzenschutzmittels ist vor der Ernte strikt zu beachten.

Welche Strategie empfiehlt sich zur Regulierung von hartnäckigen Ungräsern wie der Gemeinen Quecke (Elymus repens)?

Da Knollensellerie eine sehr langsame Jugendentwicklung aufweist, ist die Unkrautkonkurrenz in den ersten Wochen kritisch. Gegen einkeimblättrige Ungräser wie Elymus repens oder Echinochloa crus-galli können selektive Graminizide im Nachauflauf eingesetzt werden. Die Anwendung sollte erfolgen, wenn die Ungräser ausreichend Blattfläche gebildet haben (meist ab BBCH 12 bis 19 der Ungräser), um eine systemische Wirkung bis in die Rhizome zu gewährleisten.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger im Knollensellerie?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Knollensellerie' (EPPO: APUGR) sowie dem spezifischen Schaderreger (z. B. Chamaepsila rosae oder Septoria). Das System listet Ihnen alle in Ihrer Region aktuell registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison und den einzuhaltenden Wartezeiten auf.