Emmer
Emmer (Triticum dicoccon, EPPO-Code: TRZDI), auch als Zweikorn bekannt, gehört zu den ältesten kultivierten Getreidearten der Welt und erlebt als sogenanntes Urgetreide eine Renaissance in der nischenorientierten Landwirtschaft. Die Kultur zeichnet sich durch ein fest umschließendes Spelzenkleid aus, das das Korn vor Umwelteinflüssen, Schaderregern und Pilzinfektionen schützt. Botanisch ist Emmer eng mit dem Hartweizen verwandt und wird heute vor allem für Spezialmehle, Teigwaren und im Brauwesen geschätzt.
Im Vergleich zu modernem Weichweizen stellt diese Kultur deutlich geringere Ansprüche an die Bodenfruchtbarkeit und die Stickstoffversorgung. Sie eignet sich hervorragend für Grenzertragsstandorte, trockene Lagen sowie für den ökologischen Landbau. Aufgrund des langen Strohs und der damit verbundenen Lageranfälligkeit erfordert der Anbau jedoch ein vorausschauendes Bestandsmanagement und eine angepasste Düngung.
Bodenmanagement
Emmer stellt geringe Ansprüche an den Boden und gedeiht auch auf flachgründigen, steinigen oder sandigen Standorten gut, sofern keine Staunässe vorliegt. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung zur Unkrautregulierung ist besonders im ökologischen Anbau wichtig, da die Kultur in der frühen Entwicklung eine langsame Jugendentwicklung aufweist. Eine moderate Stickstoffdüngung von insgesamt 60 bis 80 kg N/ha ist meist völlig ausreichend, da eine Überdüngung das ohnehin hohe Lagerrisiko drastisch verschärft. Auf Standorten mit hoher Nachlieferung aus dem Boden solltest du die Düngung im Frühjahr restriktiv handhaben. Ein gut rückverfestigtes Saatbett sichert den gleichmäßigen Feldaufgang der bespelzten Vesen.
Schaderreger-Management
Dank der schützenden Spelzen ist Emmer von Natur aus sehr widerstandsfähig gegen Ährenkrankheiten wie Fusarium, weshalb der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oft minimiert werden kann. Dennoch solltest du den Bestand regelmäßig auf Gelbrost, Braunrost und Mehltau kontrollieren, da diese Schaderreger bei feucht-warmer Witterung ertragsrelevante Schäden verursachen können. Die mechanische Unkrautregulierung mittels Striegeln ist im frühen BBCH-Stadium (bis Ende der Bestockung) sehr effektiv, erfordert jedoch Fingerspitzengefühl, um die Vesen nicht freizulegen. Gegen Ungräser wie den Windhalm (Apera spica-venti) oder das Einjährige Rispengras (Poa annua) stehen im konventionellen Anbau spezifische Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, deren Anwendung exakt auf das BBCH-Stadium abgestimmt sein muss. Achte bei der Zulassung von Herbiziden penibel darauf, ob eine explizite Genehmigung für Emmer oder die Obergruppe Spelzweizen vorliegt.
Sorten
Ramses
mittelspät35–50 dt/ha (Spelzenware)
Resistent gegen: Mehltau, Gelbrost
Anfällig für: Lagerung
Moderner, ertragsstarker Winteremmer mit verbesserter Standfestigkeit im Vergleich zu Landsorten.
Späths Altheinger
spät25–35 dt/ha (Spelzenware)
Resistent gegen: Frost, Fusarium
Anfällig für: Lagerung, Braunrost
Traditionelle, sehr winterharte Landsorte aus Süddeutschland mit sehr langem Stroh.
Lico
mittelfrüh20–35 dt/ha (Spelzenware)
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Trockenstress, Lagerung
Bekannte Sommeremmersorte, die sich durch eine rasche Jugendentwicklung auszeichnet.
Heuholzer Kolben
spät22–32 dt/ha (Spelzenware)
Resistent gegen: Ährenfusarium
Anfällig für: Lagerung, Gelbrost
Historische Landsorte mit hoher Anpassungsfähigkeit an karge Mittelgebirgslagen.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Aussaat von Emmer im Vergleich zu normalem Weichweizen?
Emmer wird meist als "Vese" (das von Spelzen umschlossene Kornpaar) ausgesät, nicht als nacktes Korn. Du musst daher die Sämaschine auf ein deutlich größeres Durchflussvolumen einstellen und eine höhere Aussaatstärke von etwa 150 bis 200 kg Vesen/ha wählen, um eine optimale Bestandsdichte zu erzielen.
Welche Besonderheiten musst du bei der Ernte und dem Drusch von Emmer beachten?
Da Emmer ein Spelzgetreide ist, darfst du den Drescher nicht zu scharf einstellen, um die Vesen nicht zu beschädigen oder vorzeitig zu entspelnzen. Das Ziel beim Mähdrusch ist es, das intakte Vesenpaket zu ernten; die eigentliche Entspelzung (das "Gerben") erfolgt erst später in einer spezialisierten Mühle.
Wie gehst du mit dem hohen Lagerrisiko bei dieser Kultur um?
Da Emmer sehr langes Stroh bildet, ist das Risiko für Lager extrem hoch. Du solltest die Stickstoffgabe im Frühjahr sehr verhalten dosieren (oft reicht eine einmalige Gabe zur Bestockung) und auf Standorten mit hoher Stickstoffnachlieferung komplett auf organische Dünger verzichten. Im konventionellen Anbau kann der gezielte Einsatz von Wachstumsreglern im BBCH-Stadium 31/32 die Halmstabilität verbessern.
Wo findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel für Emmer, wenn die Kultur nicht explizit auf dem Etikett steht?
Da Emmer eine Nischenkultur ist, fehlen oft spezifische Zulassungen. Du solltest in der BVL-Datenbank nach Indikationszulassungen für "Spelzweizen" oder nach Genehmigungen im Rahmen von Artikel 51 der Verordnung (EG) 1107/2009 (Lückenindikation) suchen, um rechtssichere Anwendungen durchzuführen.
Warum ist die mechanische Unkrautregulierung beim Emmer anspruchsvoller als bei Weizen?
Die Keimlinge und Jungpflanzen des Emmers sind in den ersten Wochen weniger konkurrenzstark und reagieren empfindlicher auf Verschütten. Wenn du den Striegel einsetzt, solltest du dies erst ab dem 3-Blatt-Stadium (BBCH 13) bei geringer Fahrgeschwindigkeit und flacher Einstellung tun, um die flach liegenden Vesen nicht freizulegen.
Welche Rolle spielt die Fruchtfolge bei der Vermeidung von Schaderregern im Emmeranbau?
Obwohl Emmer robust gegen Ährenfusarium ist, solltest du ihn nicht direkt nach Mais oder anderem Getreide anbauen, um den Druck durch Halmbruchkrankheiten und bodenbürtige Schaderreger zu minimieren. Als ideale Vorfrüchte eignen sich Leguminosen, Raps oder Hackfrüchte, die zudem den Boden in einer optimalen Struktur hinterlassen.