Echte Kamille
Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla, EPPO-Code: MATCH), auch bekannt als Echtkamille, ist ein einjähriges, herbst- oder frühjahrskeimendes Beikraut, das in der europäischen Landwirtschaft eine erhebliche ökonomische Relevanz besitzt. Als konkurrenzstarker Schaderreger tritt sie besonders häufig in intensiv geführten Wintergetreidekulturen sowie in Hackfrüchten wie Zuckerrüben und Mais auf. Durch ihr rasches Jugendwachstum und die starke Verzweigung kann sie die Kulturen schnell überwachsen und erhebliche Ertragsverluste verursachen.
Neben der direkten Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe erschwert eine starke Verunkrautung mit Matricaria chamomilla den Ernteprozess erheblich. Die feuchten, krautigen Pflanzenteile verstopfen die Schneidwerke der Mähdrescher und erhöhen die Kornfeuchte des Ernteguts, was zusätzliche Trocknungskosten nach sich zieht. Zudem ist die Art aufgrund ihrer hohen ökologischen Amplitude auf fast allen Bodentypen anzutreffen, bevorzugt jedoch nährstoffreiche, lehmige Standorte.
Biologie / Lebenszyklus
Die Echte Kamille ist ein winter- oder sommerannuelles Unkraut, dessen Samen vorwiegend aus den obersten Bodenschichten (0–2 cm) als Lichtkeimer auflaufen. Die Hauptkeimwellen liegen im Herbst (September bis Oktober) und im zeitigen Frühjahr (März bis April). Nach der Rosettenbildung im Herbst überwintern die Pflanzen problemlos und gehen im Frühjahr rasch in das Streckungswachstum über. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis weit in den Sommer hinein, wobei eine einzelne Pflanze bis zu 10.000 bis 30.000 langlebige Samen produzieren kann, die über Jahrzehnte im Boden keimfähig bleiben.
Bonitur
Die Überwachung der Bestände auf Echte Kamille erfolgt primär durch visuelle Feldbegehungen im Herbst (BBCH-Stadium 10 bis 13 der Getreidekulturen) sowie im zeitigen Frühjahr direkt nach Vegetationsbeginn. Schadschwellen im Wintergetreide liegen richtungsweisend bei etwa 2 bis 5 Kamillepflanzen pro Quadratmeter, da bereits geringe Dichten zu spürbaren Ertragseinbußen und Ernteerschwerungen führen können. In Zuckerrüben und Mais liegt die Toleranzgrenze aufgrund der langsamen Jugendentwicklung dieser Kulturen noch deutlich niedriger, weshalb hier bereits ab dem Auflaufen der ersten Unkräuter eine gezielte Behandlung eingeplant werden muss.
Integriertes Management
Ein integriertes Management von Matricaria chamomilla basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Ackerbaulich helfen eine weite Fruchtfolge mit einem ausgewogenen Verhältnis von Blatt- und Halmfrüchten, eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung zur Vergrabung der Lichtkeimer sowie der Anbau konkurrenzstarker Zwischenfrüchte. Chemisch stehen verschiedene Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, wobei Behandlungen im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf die höchste Effizienz zeigen. Zur Vermeidung von Wirkstoffresistenzen – insbesondere gegen ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 2) – ist ein konsequentes Resistenzmanagement durch den Wechsel von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (z. B. Kombination mit synthetischen Auxinen, HRAC-Gruppe 4) zwingend erforderlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich eine beginnende Herbizidresistenz bei der Echten Kamille im Feld erkennen?
Eine Resistenz (häufig gegen ALS-Hemmer, HRAC-Gruppe 2) äußert sich dadurch, dass nach einer fachgerechten Anwendung unter optimalen Bedingungen einzelne Kamillepflanzen völlig unbeschadet überleben, während andere Unkrautarten erfolgreich bekämpft wurden. In solchen Fällen sollte für Folgebehandlungen dringend auf Wirkstoffe aus anderen HRAC-Klassen wie HRAC-Gruppe 4 (z. B. Fluroxypyr) gewechselt werden.
Warum ist die Bekämpfung der Echten Kamille im Herbst oft wirksamer als im Frühjahr?
Im Herbst befinden sich die Keimlinge im empfindlichen Keimblatt- bis frühen Rosettenstadium (BBCH-Stadium 10–12 des Unkrauts). In dieser Phase reichen geringere Aufwandmengen der Pflanzenschutzmittel aus, und die Wirkstoffaufnahme ist durch die dünne Kutikula maximiert. Im Frühjahr hingegen sind überwinterte Pflanzen oft schon zu gut etabliert und verholzt, was die Bekämpfung erschwert.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Echte Kamille für meine spezifische Kultur?
Navigieren Sie im Portal zum Bereich „Zugelassene Produkte“, filtern Sie nach Ihrer Hauptkultur (z. B. Winterweizen oder Zuckerrübe) und wählen Sie als Ziel-Schaderreger „Matricaria chamomilla“ (MATCH) aus. Das System listet Ihnen alle aktuell für diese Anwendung registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten auf.
Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung der Samenbank der Echten Kamille?
Da die Samen der Echten Kamille Lichtkeimer sind, fördert eine flache, minimale Bodenbearbeitung das schnelle Auflaufen, sodass die Keimlinge mechanisch oder chemisch im Scheingebett bekämpft werden können. Ein tiefer Pflugschritt vergräbt die Samen zwar in tiefere Schichten, wo sie nicht keimen können, konserviert sie jedoch über viele Jahre, sodass sie bei einer späteren Wendung wieder an die Oberfläche gelangen.
Wie unterscheidet sich die Echte Kamille im Feld von der Geruchlosen Kamille?
Das sicherste Unterscheidungsmerkmal ist der hohle Blütenboden der Echten Kamille (Matricaria chamomilla), den man beim Längsschnitt durch das Blütenköpfchen leicht erkennt. Zudem verströmt die Echte Kamille beim Zerreiben der Blätter den charakteristischen, angenehmen Kamillengeruch, während die Geruchlose Kamille nahezu geruchlos ist.
Bis zu welchem BBCH-Stadium der Kultur ist eine Spätbehandlung gegen Kamille im Frühjahr sinnvoll?
Eine chemische Behandlung sollte idealerweise vor dem Schossen der Kultur (vor BBCH-Stadium 30) abgeschlossen sein. Spätbehandlungen bis zum Fahnenblattstadium (BBCH-Stadium 39) sind zwar mit speziellen Wuchsstoff-Herbiziden möglich, bergen jedoch das Risiko von Kulturschäden und weisen aufgrund der fortgeschrittenen Verholzung der Kamille oft eine unzureichende Wirkung auf.