Schnittmangold
Blattmangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. cicla, EPPO-Code: BEAVV), im deutschsprachigen Raum auch als Schnittmangold oder Beißkohl bekannt, ist eine traditionsreiche und anbautechnisch vielseitige Kultur aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Im Gegensatz zum Stielmangold zeichnet sich diese Kultur durch schmalere Blattrippen und eine üppige, zarte Blattspreite aus, die geschmacklich an Spinat erinnert. Blattmangold wird in Mitteleuropa sowohl im Freiland als auch im geschützten Anbau kultiviert und gewinnt insbesondere durch den Trend zu verzehrfertigen "Baby-Leaf"-Mischungen zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung.
Die Kultur stellt moderate Ansprüche an das Klima, profitiert jedoch stark von gleichmäßigen Niederschlägen und humosen, tiefgründigen Böden. Da Schnittmangold nach dem Rückschnitt rasch regeneriert, sind über die Vegetationsperiode hinweg mehrere Erntedurchgänge möglich. Dies erfordert eine präzise Steuerung der Nährstoffversorgung, insbesondere mit Stickstoff, um Nitratakkumulationen in den Blättern zu minimieren und gleichzeitig ein kontinuierliches, vitales Wachstum zu sichern.
Aus pflanzenbaulicher Sicht ist die Kultur eng mit der Zuckerrübe und der Roten Bete verwandt, weshalb in der Fruchtfolgegestaltung strenge Anbaupausen zu anderen Gänsefußgewächsen eingehalten werden müssen. Dies dient der effektiven Vorbeugung von Nematodenübertragungen und bodenbürtigen Schaderregern. Durch die schnelle Jugendentwicklung eignet sich Schnittmangold hervorragend als Vor-, Zwischen- oder Nachkultur im professionellen Gemüsebau.
Bodenmanagement
Blattmangold bevorzugt tiefgründige, mittelschwere Lehmböden mit guter Wasserführung und hohem Humusgehalt, da Staunässe unbedingt vermieden werden muss. Eine sorgfältige Saatbettbereitung ist entscheidend, um einen gleichmäßigen Feldaufgang der knäuelartigen Samen zu gewährleisten. Aufgrund des hohen Kaliumbedarfs der Kultur sollte die Grunddüngung basierend auf aktuellen Bodenanalysen erfolgen, wobei chloridarme Dünger bevorzugt werden. Die Stickstoffdüngung muss exakt gesplittet werden, um das Risiko von Nitratanreicherungen in den erntereifen Blättern zu minimieren. Eine kontinuierliche Bewässerung in Trockenperioden sichert nicht nur den Ertrag, sondern verhindert auch das vorzeitige Schossen der Kultur.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei Blattmangold konzentriert sich primär auf die Vorbeugung von Pilzkrankheiten wie Cercospora-Blattflecken und Falschem Mehltau, die durch weite Reihenabstände und bedarfsgerechte Bewässerung minimiert werden können. Gegen tierische Schaderreger wie die Rübenfliege oder Blattläuse kommen im professionellen Anbau feine Kulturschutznetze sowie nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Unkräuter wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) und die Gemeine Quecke (Elymus repens) müssen in der frühen Entwicklungsphase mechanisch oder durch gezielte Herbizidanwendungen reguliert werden, um Licht- und Nährstoffkonkurrenz zu vermeiden. Bei feuchter Witterung ist zudem auf Grauschimmel (Botrytis cinerea) zu achten, weshalb eine rasche Abtrocknung des Bestandes durch angepasste Bestandsdichten gefördert werden sollte. Alle chemischen Anwendungen müssen streng auf die zugelassenen Indikationen und die einzuhaltenden Wartezeiten abgestimmt sein.
Sorten
Lukullus
mittelfrühSehr hoher Ertrag bei kontinuierlicher Beerntung.
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Cercospora-Blattflecken
Klassische, bewährte Sorte mit stark gekrausten, hellgrünen Blättern und weißen Stielen. Sehr ertragreich und schossfest.
Vulkan
mittelfrüh bis mittelspätMittlerer bis hoher Ertrag, ideal für die Bündelware.
Anfällig für: Falscher Mehltau, Echter Mehltau
Attraktive Sorte mit leuchtend roten Stielen und dunkelgrünen Blättern mit roten Adern. Beliebt für den Frischmarkt und Baby-Leaf.
Glatter Silber
frühHoher Ertrag im Mehrfachschnittverfahren.
Resistent gegen: Grauschimmel
Anfällig für: Cercospora-Blattflecken
Breitrippige Sorte mit glatten, dunkelgrünen Blättern und silberweißen Stielen. Sehr regenerationsfähig nach dem Schnitt.
Charlie
sehr frühHoher Ertrag bei hoher Pflanzdichte im Kurzumtrieb.
Anfällig für: Dämpfungskrankheiten
Spezialsorte für die Baby-Leaf-Produktion mit intensiv roten Blattadern und schnellem Jugendwachstum.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Nitratakkumulationen bei der Ernte von Blattmangold minimieren?
Um den Nitratgehalt in den Blättern niedrig zu halten, sollte die Ernte bevorzugt an sonnigen Nachmittagen stattfinden, da das Sonnenlicht den enzymatischen Abbau von Nitrat in der Kultur maßgeblich fördert. Zudem muss die Stickstoffdüngung exakt am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet und idealerweise in mehrere kleine Gaben aufgeteilt werden, wobei späte Gaben kurz vor dem geplanten Schnitt unbedingt zu vermeiden sind.
Welche Rolle spielt die Fruchtfolge bei der Vermeidung von Schaderregern im Mangoldanbau?
Da Blattmangold zu den Gänsefußgewächsen gehört, muss eine strikte Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Vertretern dieser Familie (wie Zuckerrüben, Rote Bete oder Spinat) eingehalten werden. Dies verhindert die Etablierung von rübenmüden Nematoden (Heterodera schachtii) sowie das Überdauern bodenbürtiger Pilze im Substrat.
Wie reagiert Blattmangold auf Spätfröste nach der Aussaat im Frühjahr?
Schnittmangold ist mäßig frosttolerant, jedoch können langanhaltende Temperaturen unter 5 °C in der frühen Jugendphase einen Kältereiz auslösen. Dieser Reiz führt zum vorzeitigen Schossen (Vernalisation) im ersten Anbaujahr, wodurch die Blätter für den Verkauf unbrauchbar werden. Eine temporäre Vliesabdeckung bei späten Kälteeinbrüchen schützt die Kultur effektiv vor diesem physiologischen Effekt.
Wie finde ich im Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Ungräser wie die Gemeine Quecke?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserer Pflanzenschutz-Datenbank und filtern Sie nach der Kultur 'Blattmangold' (oder der übergeordneten Gruppe der Gemüse-Beta-Arten) und dem Schaderreger 'Elymus repens'. Achten Sie bei der Auswahl der Graminizide besonders auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen und die für den Schnittanbau geltenden Wartezeiten.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Fungizidbehandlung gegen Cercospora-Blattflecken?
Die Bestandsüberwachung sollte ab dem BBCH-Stadium 15 (5. Laubblatt entfaltet) intensiviert werden, insbesondere bei warmer und feuchter Witterung. Eine Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel ist beim ersten sichtbaren Befall (kleine, graubraune Flecken mit rotem Rand) durchzuführen, um eine Ausbreitung auf die erntereifen Blätter zu verhindern.