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Kultur

Bleichsellerie

Apium graveolens var. dulce
APUGD

Stielsellerie (Apium graveolens var. dulce, EPPO-Code: APUGD), im Erwerbsanbau auch häufig als Stauden- oder Bleichsellerie bezeichnet, ist eine zweijährige, im professionellen Gemüsebau jedoch einjährig kultivierte Kultur aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Im Gegensatz zum Knollensellerie bildet diese Kultur stark verdickte, fleischige Blattstiele aus, die das primäre Erntegut darstellen. Der Anbau stellt hohe Anforderungen an das gärtnerische Geschick, da die Kultur sehr sensibel auf Umweltstress reagiert.

Die Kultur weist in der Jugendphase eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber niedrigen Temperaturen auf, was zu vorzeitigem Schossen (Schosserbildung) führen kann. Daher ist eine kontrollierte Jungpflanzenanzucht im Gewächshaus mit anschließender termingerechter Auspflanzung im Freiland ab Mitte April bis Juni der Standard im mitteleuropäischen Anbau. Eine kontinuierliche und gleichmäßige Wasserversorgung ist während der gesamten Vegetationsperiode entscheidend, um die Faserbildung in den Stielen zu minimieren und eine hohe Marktqualität zu sichern.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Februar bis April (Aussaat unter Glas); April bis Juni (Auspflanzung)
Erntefenster
Juli bis November
Reihenabstand
30–45 cm
Typischer Ertrag
35–60 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1800–1900
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Stielsellerie bevorzugt tiefgründige, mittelschwere Böden mit hohem Humusgehalt und einer hervorragenden Wasserhaltekapazität, da die Kultur ein flaches Wurzelsystem besitzt. Ein optimaler pH-Wert liegt im neutralen bis schwach sauren Bereich; saure Böden sollten vor dem Anbau aufgekalkt werden, um die Verfügbarkeit von Calcium zu verbessern und physiologische Störungen wie die Herzfäule zu vermeiden. Aufgrund des hohen Nährstoffbedarfs, insbesondere an Stickstoff und Kalium, ist eine organisch-mineralische Düngung, aufgeteilt in mehrere Gaben, ratsam. Eine ausreichende Versorgung mit Bor und Magnesium muss über Boden- oder Blattanalysen überwacht und bei Bedarf ausgeglichen werden, um Rissigkeit der Stiele zu verhindern.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz im Stielsellerieanbau konzentriert sich primär auf die Vermeidung von Pilzkrankheiten wie der Septoria-Blattfleckenkrankheit (Septoria apiicola) und bodenbürtigen Schaderregern wie Rhizoctonia solani und Sclerotinia sclerotiorum. Ein weiter Fruchtwechsel von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Doldenblütlern ist eine grundlegende vorbeugende Maßnahme. Beim Auftreten von Schaderregern müssen zugelassene Pflanzenschutzmittel termingerecht appliziert werden, wobei die Einhaltung der Wartezeit vor der Ernte streng zu beachten ist. Gegen tierische Schädlinge wie die Selleriefliege oder Blattläuse helfen engmaschige Kulturschutznetze, die direkt nach dem Pflanzen aufgelegt werden, um den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu minimieren.

Sorten

Tango

Mittelfrüh

Sehr hoher Anteil an vermarktungsfähiger Ware durch gleichmäßigen Wuchs.

Resistent gegen: Schossen, Herzfäule

Anfällig für: Septoria-Blattfleckenkrankheit

Sehr schossfeste, ertragssichere Standardsorte mit dunkelgrünen, glatten Stielen und aufrechtem Wuchs.

Loretta

Mittelfrüh

Gute, stabile Erträge im Sommer- und frühen Herbstanbau.

Resistent gegen: Schossen

Anfällig für: Sclerotinia-Fäule

Feingerippte, sehr aufrecht wachsende Sorte, die sich besonders leicht ernten und aufbereiten lässt.

Tall Utah

Mittelspät

Hohes Ertragspotenzial bei späterer Ernte im Herbst.

Resistent gegen: Bor-Mangel

Anfällig für: Schossen, Septoria-Blattfleckenkrankheit

Wüchsige, traditionelle Sorte mit kräftigen, dickfleischigen Stielen und ausgeprägtem Aroma.

Jive

Spät

Sehr hohe Erträge und exzellente Lagerfähigkeit nach der Ernte.

Resistent gegen: Schossen, Herzfäule

Anfällig für: Rhizoctonia-Stängelfäule

Moderne, sehr schossfeste Sorte für den späten Anbau mit hervorragender Feldhaltbarkeit.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko vorzeitigen Schossens bei frühen Pflanzungen im Freiland minimieren?

Das Schossen wird durch Kältereize (Vernalisation) bei Temperaturen unter 10 °C im frühen BBCH-Stadium induziert. Professionelle Anbauer sollten Jungpflanzen bei konstant 16–18 °C anzüchten und frühe Sätze im Freiland zwingend mit Vlies oder Lochfolie abdecken, um kritische Temperaturschwankungen abzufedern.

Welche Ursachen hat die Herzfäule beim Stielsellerie und wie wird sie pflanzenbaulich bekämpft?

Herzfäule ist eine physiologische Störung, die durch Calciummangel in den jungen, schnell wachsenden Herzblättern verursacht wird, oft bedingt durch unregelmäßige Wasserversorgung oder hohe Salzgehalte im Boden. Neben einer gleichmäßigen Bewässerung hilft eine gezielte Blattapplikation von Calciumchlorid in Phasen intensiven Wachstums (ab BBCH-Stadium 35 bis 39).

Wie sieht eine wirksame Strategie zur Vermeidung von Fungizidresistenzen bei der Bekämpfung von Septoria apiicola aus?

Da der Erreger der Septoria-Blattfleckenkrankheit ein hohes Resistenzpotenzial aufweist, müssen chemische Pflanzenschutzmittel aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. Triazole, Strobilurine und SDHI) im Wechsel eingesetzt werden. Zudem sollten Behandlungen bereits bei ersten Befallssymptomen oder nach Infektionsprognosen erfolgen, um den Selektionsdruck zu minimieren.

Wie finde ich im Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen spezifische Schaderreger wie Rhizoctonia solani?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Modul von farmable.tech, indem Sie nach dem EPPO-Code des Schaderregers (z. B. RHIZSO) filtern. Das System listet Ihnen alle aktuell für die Kultur Stielsellerie zugelassenen Anwendungen inklusive Aufwandmenge, maximaler Behandlungsanzahl und der einzuhaltenden Wartezeit auf.

Welchen Einfluss hat die Bestandesdichte auf die Qualität und das Bleichen der Stiele?

Engere Pflanzabstände (z. B. 30 x 30 cm) fördern das aufrechte Wachstum und bewirken ein natürliches, teilweises Bleichen der inneren Stiele durch gegenseitige Schattierung, was die Zartheit erhöht. Zu enge Bestände erhöhen jedoch das Risiko für Pilzinfektionen wie Sclerotinia aufgrund schlechterer Abtrocknung; hier ist ein Kompromiss zwischen Pflanzengesundheit und Marktqualität zu finden.