Piretro Verde
Piretro Verde ist ein hochwirksames, biologisches Insektizid auf Basis von Naturpyrethrinen (18,6 g/l), das für den Einsatz in einer Vielzahl von Kulturen im Freiland und unter Glas registriert ist. Als flüssige Formulierung zeichnet sich dieses Pflanzenschutzmittel durch eine schnelle Kontaktwirkung aus und ist ein bewährter Baustein im modernen, integrierten sowie ökologischen Anbau. Es bietet eine hochflexible Lösung zur Regulierung von saugenden und beißenden Schaderregern in anspruchsvollen Kulturen wie Weinreben, Erdbeeren und verschiedenen Gemüsekulturen.
Das Wirkungsspektrum umfasst ein breites Band an wirtschaftlich bedeutenden Schaderregern. Dazu gehören unter anderem Blattläuse, Thripse, Weiße Fliegen sowie beißende Insekten wie blattfressende Käfer und freifressende Schmetterlingsraupen. Auch anspruchsvoll zu bekämpfende Schädlinge wie die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) und die Traubenwickler-Arten im Weinbau werden durch den ausgeprägten Knock-Down-Effekt des Mittels effektiv erfasst.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Pyrethrine gehört zur IRAC-Gruppe 3A. Er basiert auf den natürlichen Extrakten der Chrysanthemenblüte und wirkt als reines Kontaktgift auf das Nervensystem der Schaderreger. Nach dem Kontakt dringt der Wirkstoff rasch durch die Kutikula der Insekten ein. Auf biochemischer Ebene interagieren Pyrethrine mit den spannungsabhängigen Natriumkanälen in den Nervenmembranen der Schädlinge. Sie halten diese Kanäle offen und verzögern deren Schließen, was zu einer langanhaltenden Depolarisation der Membran führt. Dies löst unkontrollierte Nervenimpulse, extreme Übererregung, Lähmung und schließlich den schnellen Tod des Schaderregers aus. Da der Wirkstoff extrem licht- und temperaturempfindlich ist, baut er sich an der Luft und unter UV-Strahlung rasch ab, was eine minimale Persistenz in der Umwelt gewährleistet.
Resistenzmanagement
Um das Risiko einer Resistenzbildung zu minimieren, solltest du Piretro Verde stets im Wechsel mit Insektiziden aus anderen IRAC-Wirkstoffklassen einsetzen, die einen unterschiedlichen Wirkungsmechanismus aufweisen. Da Naturpyrethrine aufgrund ihres schnellen Abbaus nur eine kurze Belagsstruktur aufweisen, ist das Risiko für die Entstehung resistenter Populationen im Vergleich zu persistenten synthetischen Pyrethroiden zwar geringer, dennoch ist ein striktes Rotationsmanagement unerlässlich. Vermeide aufeinanderfolgende Behandlungen auf derselben Schadinsekten-Generation und nutze ergänzende kulturtechnische sowie biologische Maßnahmen im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes.
Mischbarkeit & Tankmischung
Bei der Herstellung von Tankmischungen ist besonders auf den pH-Wert des Spritzwassers zu achten. Naturpyrethrine sind im alkalischen Milieu extrem instabil und unterliegen einer schnellen Hydrolyse; stelle daher sicher, dass der pH-Wert der Spritzbrühe im leicht sauren Bereich (optimal pH 5,5 bis 6,5) liegt, gegebenenfalls unter Verwendung eines geeigneten pH-Puffers. Die physikalische Kompatibilität mit gängigen Fungiziden und Blattdüngern sollte vorab in einem Mischungsversuch überprüft werden. Vermeide Mischungen mit stark alkalisch reagierenden Produkten wie Kupferpräparaten oder Schwefelkalk, da diese die Wirksamkeit des Insektizids drastisch reduzieren können.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Piretro Verde ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, bei der Anmischung und Ausbringung obligatorisch. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Zulassungsdokument ausgewiesen ist, solltest du zum Schutz von Bestäubern und anderen Nützlingen grundsätzlich auf Anwendungen in blühende Kulturen oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Futtersuche sind, verzichten. Verlege die Behandlung vorzugsweise in die späten Abendstunden, wenn der Bienenflug beendet ist. Achte zudem darauf, Abdrift in angrenzende Gewässer und Saumstrukturen strikt zu vermeiden, um aquatische Organismen und Nichtziel-Arthropoden zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Räume | Käfer, Lepidoptera | — | 0.00096 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
| Erdbeere | Thrips spp. | 11–89 | 1.6 LITER_PER_HECTARE | 2T |
| Tomate | Weiße Fliegen | 11–89 | 1.92 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Riesenkürbis | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Erdbeere | Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) | 11–89 | 1.6 LITER_PER_HECTARE | 2T |
| Gemüsepaprika (inkl. Peperoni und Chili) | Thrips spp. | 11–89 | 1.92 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Weinrebe | Bekreuzter Traubenwickler (Heu- und Sauerwurm) | — | 0.64 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Tomate | Thrips spp. | 11–89 | 1.92 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Zierpflanzen | Thrips spp. | 11–89 | 1.6 LITER_PER_HECTARE | — |
| Garten-Kürbis | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Moschus-Kürbis | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Patisson | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Gurke | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Schnittblumen | Blattläuse, Weiße Fliegen | 11–49 | 1.6 LITER_PER_HECTARE | — |
| Aubergine | Thrips spp. | 11–89 | 1.92 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Zier/Wildkürbis (Cucurbita texana) | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Zucchini | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Aubergine | Weiße Fliegen | 11–89 | 1.92 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Flaschenkürbis | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Blattgemüse und frische Kräuter | Blattläuse | 11–49 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Beerenobst | Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 2T |
| Beerenobst | Thrips spp. | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 2T |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler (Heu- und Sauerwurm) | — | 0.64 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Melone | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Zierpflanzen | Saugende Insekten | — | 2.4 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Blattläuse, Weiße Fliegen | 11–89 | 1.6 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Blattläuse, Blattwespen, Blattfressende Käfer | — | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Gemüsepaprika (inkl. Peperoni und Chili) | Weiße Fliegen | 11–89 | 1.92 LITER_PER_HECTARE | 1T |
| Wassermelone | Blattläuse | 11–89 | 1.28 LITER_PER_HECTARE | 1T |
Häufige Fragen
Wie kannst du die Wirkung von Piretro Verde bei starker Sonneneinstrahlung optimieren?
Da der Wirkstoff Pyrethrine extrem UV-empfindlich ist und unter Sonnenlicht schnell abgebaut wird, solltest du die Behandlung unbedingt in den späten Nachmittags- oder Abendstunden durchführen. Dadurch verlängerst du die Kontaktzeit des feuchten Spritzbelags auf den Schaderregern und maximierst die biologische Wirksamkeit, während gleichzeitig nützliche Insekten geschont werden.
Warum ist die Benetzung der Kultur bei diesem Pflanzenschutzmittel so entscheidend?
Piretro Verde ist ein reines Kontaktinsektizid ohne systemische oder tiefenwirksame Eigenschaften. Das bedeutet, dass die Schaderreger direkt von der Spritzbrühe getroffen werden müssen. Achte daher auf eine gründliche, tropfnasse Benetzung aller Pflanzenteile, einschließlich der Blattunterseiten, wo sich Schädlinge wie Blattläuse oder Weiße Fliegen bevorzugt aufhalten.
Welche Rolle spielt der pH-Wert des Wassers bei der Anwendung?
Ein zu hoher pH-Wert (alkalisches Wasser) führt zu einem rasanten chemischen Abbau der Pyrethrine in der Feldspritze, oft innerhalb weniger Minuten. Du solltest den pH-Wert deines Spritzwassers vor der Zugabe des Mittels messen und bei Bedarf mit einem geeigneten Säuerungsmittel oder Puffer auf einen Wert zwischen 5,5 und 6,0 einstellen, um die volle Stabilität des Wirkstoffs zu garantieren.
Kannst du Piretro Verde auch im ökologischen Landbau einsetzen?
Ja, da der Wirkstoff aus den Blüten von Chrysanthemum cinerariifolium gewonnen wird, ist Piretro Verde für den Einsatz im ökologischen Landbau nach den geltenden EU-Verordnungen geeignet. Prüfe jedoch vor der Anwendung die aktuellen Vorgaben deines jeweiligen Anbauverbandes (z. B. Bioland, Demeter, Naturland), da dort spezifische Einschränkungen gelten können.
Wie verhältst du dich, wenn während der BBCH-Stadien 11 bis 89 ein plötzlicher Regen droht?
Da das Mittel nicht regenfest ist und leicht abgewaschen wird, sollte nach der Applikation eine regenfreie Zeit von mindestens 2 bis 3 Stunden gewährleistet sein. Wenn es kurz nach der Behandlung regnet, ist die Wirkung meist unzureichend, und du musst den Befall engmaschig kontrollieren, um gegebenenfalls eine Folgebehandlung unter Berücksichtigung der maximal zulässigen Anwendungen einzuplanen.
Wie findest du auf agronomy.farmable.tech weitere zugelassene Produkte für deine Kultur?
Nutze einfach die Such- und Filterfunktion in unserem Hub. Du kannst gezielt nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Weinrebe oder Tomate) und dem relevanten Schaderreger filtern, um eine Übersicht aller in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Anwendungsbestimmungen zu erhalten.