TALIUS
Talius ist ein hochspezialisiertes, protektiv wirkendes Fungizid zur gezielten Bekämpfung von Echten Mehltaupilzen in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen. Als emulgierbares Konzentrat (EC) formuliert, zeichnet sich das Pflanzenschutzmittel durch eine hervorragende Verteilung und Haftung auf der Blattoberfläche aus. Es wird vor allem im Getreidebau, im Weinbau sowie im Gemüse- und Beerenobstbau eingesetzt, um sensible Kulturen frühzeitig vor Ertrags- und Qualitätsverlusten durch Mehltauinfektionen zu schützen.
Der besondere Nutzen von Talius liegt in seiner ausgeprägten Dampfphase (Gasphasen-Effekt). Nach der Applikation verteilt sich der Wirkstoff kontinuierlich über die Gasphase im Pflanzenbestand. Dadurch werden auch unbehandelte Pflanzenteile, der Neuzuwachs sowie das Innere dichter Laubwände zuverlässig vor dem Schaderreger geschützt, was Talius zu einem unverzichtbaren Baustein in modernen Pflanzenschutzstrategien macht.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in Talius enthaltene Wirkstoff Proquinazid gehört zur chemischen Gruppe der Quinazolinone und ist im FRAC-Code unter der Gruppe 13 klassifiziert. Der biochemische Wirkungsmechanismus basiert auf der Hemmung der Sporenkeimung und der Appressorienbildung des Pilzes. Ohne diese Haftorgane kann der Schaderreger nicht in das Gewebe der Kultur eindringen, wodurch die Infektionskette bereits im Keim unterbunden wird. Zusätzlich stimuliert Proquinazid die pflanzeneigenen Abwehrmechanismen (induzierte Resistenz), was die Kultur widerstandsfähiger gegen nachfolgenden Infektionsdruck macht. Durch die Kombination aus direkter Pilzhemmung, langanhaltender Depotwirkung in der Wachsschicht und der kontinuierlichen Umverteilung über die Gasphase bietet das Mittel einen lang anhaltenden Schutz vor Neubefall.
Resistenzmanagement
Um einer Resistenzbildung bei Echten Mehltaupilzen aktiv vorzubeugen, ist Talius (FRAC-Gruppe 13) konsequent im Rahmen eines integrierten Resistenzmanagements einzusetzen. Die Anwendung sollte stets präventiv und im Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen erfolgen, die keinen Kreuzresistenzen unterliegen – wie beispielsweise SDHI-Inhibitoren, Triazolen (DMI) oder Strobilurinen. Die maximale Anzahl der Behandlungen pro Saison gemäß den BVL-Zulassungsbestimmungen darf nicht überschritten werden, um den Selektionsdruck auf den Schaderreger zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Talius weist eine hervorragende physikalische und chemische Mischbarkeit mit einer Vielzahl gängiger Pflanzenschutzmittel wie Herbiziden, Insektiziden und anderen Fungiziden sowie mit flüssigen Blattdüngern auf. Bei der Erstellung von Tankmischungen ist auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge und eine gründliche Durchmischung im Tank zu achten. Extrem alkalisches Mischwasser sollte vermieden werden, um die Stabilität des Wirkstoffs nicht zu beeinträchtigen. Vor großflächigen Anwendungen neuer Mischungskombinationen wird ein einfacher Verträglichkeitstest (Kübelprobe) empfohlen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Bei der Anwendung von Talius sind die gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen zum Anwenderschutz und zum Schutz des Naturhaushalts strikt einzuhalten. Beim Ansetzen der Spritzbrühe und während der Applikation ist die persönliche Schutzausrüstung (PSA) inklusive Schutzanzug und Handschuhen zu tragen. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen sind die spezifischen Abstandsauflagen (Abdriftminderungsklassen) zu beachten. Das Produkt ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich eingestuft, dennoch sollte ein direkter Kontakt mit blühenden Kulturen und Unkräutern während des Bienenflugs vermieden werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Zucchini | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Garten-Kürbis | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.19 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Roggen | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 25–61 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Patisson | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.19 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Gurke | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Erdbeere | Echter Mehltau (Sphaerotheca macularis) | 0–85 | 0.375 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Flaschenkürbis | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.19 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Rote Johannisbeere | Amerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae) | 0–85 | 0.375 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Baumschulgehölzpflanzen | Echte Mehltaupilze | — | 0.375 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weizen | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 25–61 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Triticale | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 25–61 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erdbeere | Echter Mehltau (Sphaerotheca macularis) | — | 0.375 LITER_PER_HECTARE | — |
| Tomate | Echte Mehltaupilze | 16–99 | 0.19 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Flaschenkürbis | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Schwarze Johannisbeere | Amerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae) | 0–85 | 0.375 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Aubergine | Echte Mehltaupilze | 16–99 | 0.19 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Baumschulgehölzpflanzen | Echte Mehltaupilze | — | 0.375 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Echter Mehltau (Uncinula necator) | — | 0.1 LITER_PER_HECTARE | 28T |
| Moschus-Kürbis | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Gurke | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.19 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Patisson | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Riesenkürbis | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Zucchini | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.19 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Erdbeere | Echter Mehltau (Sphaerotheca macularis) | 0–85 | 0.375 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Stachelbeere | Amerikanischer Mehltau (Sphaerotheca mors-uvae) | 0–85 | 0.375 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Gerste | Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 25–61 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | — |
| Riesenkürbis | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.19 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Erdbeere | Echter Mehltau (Sphaerotheca macularis) | — | 0.375 LITER_PER_HECTARE | — |
| Garten-Kürbis | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Moschus-Kürbis | Echte Mehltaupilze | 13–99 | 0.19 LITER_PER_HECTARE | 3T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Talius im Getreide?
Der Einsatz sollte primär präventiv erfolgen, idealerweise zu Beginn des Befallsdrucks ab dem Schossen der Kultur (BBCH 30 bis 32). Dadurch wird der Primärbefall mit Echtem Mehltau effektiv unterdrückt und die Bestände werden von unten heraus gesund gehalten.
Was bedeutet der Gasphasen-Effekt von Talius in der Praxis?
Nach der Spritzung lagert sich der Wirkstoff Proquinazid in der Wachsschicht der Blätter an und verdampft von dort aus langsam und gleichmäßig. Diese Wirkstoffwolke schützt auch den Neuzuwachs und schwer erreichbare Stellen im Inneren der Kultur, die bei der Applikation nicht direkt vom Spritzstrahl getroffen wurden.
Wie schnell ist Talius nach der Anwendung regenfest?
Talius zieht sehr rasch in die kutikuläre Wachsschicht der Blätter ein. Sobald der Spritzbelag vollständig angetrocknet ist – in der Regel nach etwa ein bis zwei Stunden –, ist das Mittel vollkommen regenfest, sodass nachfolgende Niederschläge die Schutzwirkung nicht mehr beeinträchtigen.
Kann Talius im Weinbau auch während der Blüte eingesetzt werden?
Ja, gerade die Phase vor, während und kurz nach der Blüte ist im Weinbau besonders kritisch für Infektionen mit Oidium (Uncinula necator). Talius bietet in diesen sensiblen BBCH-Stadien einen hochwirksamen Schutz für die Gescheine und jungen Beeren.
Wie finde ich in der Datenbank weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Echten Mehltau?
Nutzen Sie einfach die Filterfunktion auf agronomy.farmable.tech. Wählen Sie Ihre spezifische Kultur aus und filtern Sie nach dem Schaderreger 'Echter Mehltau'. Das System listet Ihnen sofort alle in Deutschland registrierten Alternativprodukte inklusive Wirkstoffen und Aufwandmengen auf.