XenTari
XenTari ist ein hochwirksames, biologisches Pflanzenschutzmittel auf Basis des natürlichen Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis subspecies aizawai (Stamm ABTS-1857). Als wasserdispergierbares Granulat (WG) hat sich dieses Präparat im professionellen Wein-, Obst- und Gemüsebau fest etabliert. Es bietet eine gezielte und umweltschonende Lösung zur Kontrolle eines breiten Spektrums an Schaderregern, insbesondere von freifressenden Schmetterlingsraupen.
Das Wirkungsspektrum umfasst bedeutende wirtschaftliche Schädlinge wie den Einbindigen und Bekreuzten Traubenwickler im Weinbau, verschiedene Eulenarten (Noctuidae) sowie die Lauchmotte. Da es sich um ein hochselektives Fraßgift handelt, schont XenTari wichtige Nützlinge im Biotop und eignet sich hervorragend für den integrierten sowie den kontrolliert biologischen Anbau.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff von XenTari gehört zur IRAC-Gruppe 11 (Bacillus thuringiensis). Die Wirkung basiert auf spezifischen Kristallproteinen (Delta-Endotoxinen), die während der Sporenbildung des Bakteriums entstehen. Nach der Aufnahme durch die Larven im Zuge ihrer Fraßaktivität werden diese Protoxine im alkalischen Milieu des Mitteldarms der Raupen durch körpereigene Enzyme aktiviert. Die aktivierten Toxine binden an spezifische Rezeptoren der Darmwand und führen zur Porenbildung in der Zellmembran. Dies zerstört die osmotische Regulation des Darms, wodurch die Raupen die Nahrungsaufnahme sofort einstellen. Der Tod der Schaderreger tritt nach wenigen Tagen durch Verhungern oder eine bakterielle Septikämie ein. Da dieser Mechanismus ein alkalisches Darmmilieu und hochspezifische Rezeptoren erfordert, ist die Wirkung auf die Zielschädlinge begrenzt und schont andere Organismen.
Resistenzmanagement
Obwohl für Bacillus thuringiensis (IRAC-Gruppe 11) im Freiland nur sehr selten Resistenzen dokumentiert sind, ist ein vorausschauendes Resistenzmanagement ratsam. Du solltest XenTari im Wechsel mit Insektiziden anderer Wirkstoffklassen einsetzen, um den Selektionsdruck zu minimieren. Achte darauf, das Mittel vor allem gegen die empfindlichen, jungen Larvenstadien (L1 bis L2) auszubringen, um einen maximalen Bekämpfungserfolg zu sichern und das Überleben einzelner Individuen zu verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
XenTari ist mit vielen gängigen Fungiziden und Insektiziden mischbar. Wichtig für die Stabilität der Bt-Toxine ist der pH-Wert der Spritzbrühe: Dieser sollte im neutralen bis leicht sauren Bereich liegen (pH 5,5 bis 7,0). Vermeide stark alkalische Mischungspartner wie Kupferpräparate oder kalkhaltige Blattdünger, da diese die Proteinkristalle vorzeitig abbauen und die Wirkung drastisch reduzieren können. Die Zugabe eines geeigneten Netzmittels kann die Benetzung der oft wachsartigen Blattoberflächen verbessern und die Regenbeständigkeit erhöhen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit XenTari solltest du die standardmäßige persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen, um Haut- und Augenkontakt sowie das Einatmen des Spritznebels zu vermeiden. Da es sich um ein biologisches Präparat handelt, ist es schonend für die meisten Nützlinge. Zum Schutz von Bestäubern empfiehlt es sich dennoch, Anwendungen nicht direkt in blühende Kulturen oder an Orten mit aktivem Bienenflug durchzuführen; verlege die Behandlung idealerweise in die Abendstunden. Vermeide zudem jegliche Abdrift in angrenzende Gewässer, um aquatische Organismen vorsorglich zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Kohlgemüse | Eulenarten (Noctuidae) | — | 100 GRAM_PER_1000_SQUARE_METER | 9T |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler, Bekreuzter Traubenwickler | 73–99 | 120 GRAM_PER_1000_SQUARE_METER | 6T |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler, Bekreuzter Traubenwickler | 13–99 | 40 GRAM_PER_1000_SQUARE_METER | 6T |
| Kohlgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 60 GRAM_PER_1000_SQUARE_METER | 9T |
| Kernobst | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.5 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 5T |
| Buchsbaum (Gemeiner -) | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 60 GRAM_PER_1000_SQUARE_METER | — |
| Blatt- und Stielgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | 9T |
| Blatt- und Stielgemüse | Eulenarten (Noctuidae) | 11–99 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 9T |
| Steinobst | Freifressende Schmetterlingsraupen | 60–99 | 0.5 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 8T |
| Aubergine | Freifressende Schmetterlingsraupen, Eulenarten (Noctuidae) | 12–99 | 0.75 KILOGRAM_PER_HECTARE | 3T |
| Wurzel- und Knollengemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Zwiebelgemüse | Lauchmotte | 13–99 | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | 7T |
| Zierpflanzen | Eulenarten (Noctuidae) | — | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Wurzel- und Knollengemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Kohlgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | 9T |
| Zierpflanzen | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Laubholz | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 1.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler, Bekreuzter Traubenwickler | 13–99 | 0.4 KILOGRAM_PER_HECTARE | 6T |
| Kernobst | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.5 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 5T |
| Fruchtgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | 7T |
| Blatt- und Stielgemüse | Eulenarten (Noctuidae) | 11–99 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Wurzel- und Knollengemüse | Eulenarten (Noctuidae) | 11–99 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Tomate | Eulenarten (Noctuidae) | 11–99 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 3T |
| Aubergine | Eulenarten (Noctuidae) | 11–99 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 3T |
| Tomate | Freifressende Schmetterlingsraupen, Eulenarten (Noctuidae) | 12–99 | 0.75 KILOGRAM_PER_HECTARE | 3T |
| Johannisbeerartiges Beerenobst | Freifressende Schmetterlingsraupen | 60–99 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 3T |
| Nadelholz | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 1.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler, Bekreuzter Traubenwickler | 73–99 | 1.2 KILOGRAM_PER_HECTARE | 6T |
| Aubergine | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | 3T |
| Tomate | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | 3T |
| Wurzel- und Knollengemüse | Eulenarten (Noctuidae) | 11–99 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Kohlgemüse | Eulenarten (Noctuidae) | — | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 9T |
| Fruchtgemüse | Eulenarten (Noctuidae) | 11–99 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 7T |
| Blatt- und Stielgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit XenTari?
Der beste Anwendungszeitpunkt liegt kurz nach dem Larvenschlupf, wenn sich die Schaderreger in den jungen Stadien L1 und L2 befinden. Da XenTari als reines Fraßgift wirkt, müssen die Raupen den Wirkstoff aktiv über die Blätter aufnehmen. Beobachte den Flug der Falter und den Eierablauf genau, um den Schlupftermin optimal abzupassen.
Wie beeinflusst die Witterung die Wirkung von XenTari?
Da die enthaltenen Proteinkristalle UV-empfindlich sind, solltest du die Anwendung an bewölkten Tagen oder in den späten Nachmittags- und Abendstunden durchführen. Regen kurz nach der Applikation kann den Belag abwaschen; ist innerhalb von 6 bis 8 Stunden nach der Spritzung mit Niederschlag zu rechnen, empfiehlt es sich, die Behandlung zu verschieben oder ein Haftmittel zuzusetzen.
Warum sehe ich nach der Spritzung immer noch lebende Raupen auf der Kultur?
Das ist völlig normal für die Wirkungsweise von Bt-Präparaten. Nach der Aufnahme von XenTari setzt sofort ein Fraßstopp ein, sodass deine Kulturen vor weiterem Schaden geschützt sind. Die Raupen werden jedoch träge, verfärben sich dunkel und sterben erst nach 2 bis 5 Tagen ab. Ein unmittelbarer Knock-down-Effekt bleibt aus.
Kann ich XenTari im ökologischen Landbau einsetzen?
Ja, XenTari basiert auf einem natürlichen Bodenbakterium und ist aufgrund seines biologischen Ursprungs für den ökologischen Landbau zugelassen. Prüfe jedoch vor der Anwendung immer die aktuellen Vorgaben deines jeweiligen Anbauverbandes (z. B. Bioland, Demeter, Naturland), da die Richtlinien im Detail variieren können.
Welchen Einfluss hat der pH-Wert des Spritzwassers auf den Behandlungserfolg?
Ein zu hoher pH-Wert (alkalisch, pH > 8) im Spritztank führt dazu, dass sich die wirksamen Proteinkristalle bereits im Tank auflösen und inaktiviert werden. Stelle sicher, dass dein Spritzwasser einen pH-Wert zwischen 5,5 und 7,0 aufweist. Falls nötig, kannst du den pH-Wert mit einem geeigneten Puffer oder Säureregulator anpassen, bevor du XenTari einmischst.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech weitere zugelassene Produkte gegen Traubenwickler?
Du kannst in unserem Hub gezielt nach dem Schaderreger 'Bekreuzter Traubenwickler' oder 'Einbindiger Traubenwickler' filtern. Die Plattform listet dir dann alle in Deutschland (BVL) registrierten Pflanzenschutzmittel auf, sodass du Wirkstoffe vergleichen und eine optimale Rotationsstrategie für dein Resistenzmanagement planen kannst.