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Sonstiger Schaderreger

Phytophthora infestans

Phytophthora infestans
PHYTIN

Phytophthora infestans (EPPO-Code: PHYTIN) ist ein hochgradig destruktiver Oomyzet (Eipilz), der als Erreger der Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln sowie der Kraut- und Braunfäule bei Tomaten weltweit gefürchtet ist. Unter feucht-warmen Bedingungen kann dieser Schaderreger innerhalb kürzester Zeit ganze Bestände vollständig vernichten, was ihn zu einem der wirtschaftlich bedeutendsten Pathogene im globalen Acker- und Gemüsebau macht.

Die wirtschaftliche Relevanz ist enorm: Ernteausfälle können ohne adäquaten Schutz in anfälligen Kulturen bis zu 100 % betragen. Neben dem direkten Ertragsverlust im Feld führt der Befall infizierter Knollen im Lager zu massiven Fäulnisverlusten. Die Bekämpfung erfordert einen intensiven, strategisch geplanten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, was erhebliche Betriebskosten verursacht und die Rentabilität der betroffenen Kulturen stark belastet.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
PHYTIN
Wirte
3 Kulturen
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Weltweit in fast allen Anbauregionen von Kartoffeln und Tomaten verbreitet, mit besonders verheerenden Auswirkungen in den feucht-gemäßigten Klimazonen Europas und Nordamerikas.
Erstbeschreibung
Montagne, 1845

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert hauptsächlich als Myzel in infizierten Kartoffelknollen im Lager, auf Abfallhaufen oder als Durchwuchskartoffeln im Feld. Im Frühjahr wächst das Myzel in den austreibenden Stängel ein und bildet bei hoher Luftfeuchtigkeit (> 90 %) und Temperaturen zwischen 15 und 20 °C Sporangienträger aus, die durch Wind und Regenspritzer verbreitet werden. Diese Sporangien können entweder direkt keimen oder bei kühleren Temperaturen (unter 12 °C) bewegliche Zoosporen freisetzen, die die Blätter über Spaltöffnungen oder die Kutikula infizieren. Während der Vegetationsperiode läuft dieser Infektionszyklus bei optimaler Witterung in nur 3 bis 5 Tagen ab, was zu einer explosionsartigen epidemischen Ausbreitung führt. Zum Ende der Saison werden die Sporangien vom Regen in den Boden gewaschen, wo sie die heranwachsenden Knollen infizieren und den Kreislauf schließen.

Bonitur

Das Monitoring beginnt bereits vor dem Reihenschluss (ab BBCH-Stadium 31 bis 39) und muss bei feucht-warmer Witterung intensiviert werden. Agronomen nutzen computergestützte Prognosemodelle (wie z. B. SimPhyt), die auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag basieren, um den optimalen Zeitpunkt für die erste Behandlung zu bestimmen. Eine gezielte Feldbegehung sollte insbesondere in Senken, im Schatten von Hecken oder in schlecht abgetrockneten Beständen erfolgen, da sich dort die ersten Infektionsherde (Primärherde) bilden. Sobald erste Symptome im Umkreis oder im eigenen Schlag gemeldet werden, ist die Schadschwelle überschritten und eine sofortige Behandlung zwingend erforderlich.

Symptome

Auf den Blättern zeigen sich zunächst unregelmäßige, hellgrüne bis gelbliche Flecken, die sich rasch braun-schwarz verfärben und von der Blattspitze oder dem Blattrand ausgehen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich auf der Blattunterseite an der Grenze zum gesunden Gewebe ein charakteristischer, weißer, schimmelartiger Rasen aus Sporangienträgern. Befallene Stängel weisen dunkelbraune bis schwarze, oft streifenförmige Läsionen auf, die sehr brüchig sind. An den Kartoffelknollen äußert sich der Befall durch leicht eingesunkene, bleigraue bis bräunliche Flecken auf der Schale; schneidet man die Knolle auf, ist das darunterliegende Fruchtfleisch diffus rotbraun verfärbt und weist eine trockene, marmorierte Fäulnis auf.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management basiert auf einer integrierten Strategie. Kulturtechnische Maßnahmen umfassen den Anbau widerstandsfähiger Sorten, die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Pflanzgut, weite Fruchtfolgen, das konsequente Beseitigen von Durchwuchskartoffeln und Abfallhaufen sowie eine weite Reihenweite zur schnelleren Abtrocknung des Bestandes. Chemische Pflanzenschutzmittel müssen präventiv und in Abhängigkeit vom Infektionsdruck appliziert werden. Hierbei ist ein striktes Resistenzmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten: Wirkstoffe aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. Carbonsäureamide (CAA), Quinon-Outside-Inhibitoren (QoI) oder Cyanoacetamid-Oxime) müssen konsequent abgewechselt oder als Fertigformulierungen kombiniert werden, um die Selektion resistenter Stämme zu verhindern. Vor der Ernte ist eine rechtzeitige Krautregulierung (chemisch oder mechanisch) entscheidend, um den Kontakt der Knollen mit infektiösen Sporen während des Rodens zu minimieren.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Krautregulierung (Sikkation) das Risiko einer Knolleninfektion bei der Ernte?

Die Krautregulierung stoppt die Sporenproduktion auf dem Laub und lässt die Schale der Knollen fest werden. Zwischen der Sikkation und der Ernte sollten mindestens 14 Tage liegen, damit die im Boden befindlichen Sporangien absterben und die Knollen beim Roden nicht mit lebensfähigen Sporen in Kontakt kommen.

Welche Rolle spielen Oosporen bei der Überwindung des Winters in mitteleuropäischen Böden?

Durch das Auftreten des A2-Paarungstyps in Europa können sich durch sexuelle Fortpflanzung dickwandige Oosporen bilden. Diese sind extrem widerstandsfähig, können mehrere Jahre im Boden überdauern und dienen als gefährliche, bodenbürtige Primärinfektionsquelle, die unabhängig von infiziertem Pflanzgut ist.

Wie unterscheidet sich die Wirkungsweise von kontaktaktiven und systemischen Pflanzenschutzmitteln bei der Bekämpfung von PHYTIN?

Kontaktfungizide verbleiben auf der Oberfläche und schützen vor Neuinfektionen, müssen aber nach Niederschlägen oder starkem Zuwachs erneuert werden. Systemische oder lokalsystemische Mittel dringen in das Gewebe ein, schützen den Neuzuwachs von innen heraus und können eine beginnende Infektion in der Inkubationsphase stoppen.

Warum ist die Stickstoffdüngung ein kritischer Faktor im Risikomanagement gegen Kraut- und Knollenfäule?

Eine übermäßige Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, dichten Laubdach, das nach Regen oder Tau nur sehr langsam abtrocknet. Dieses feuchte Mikroklima im Bestand verlängert die Blattnassdauer drastisch und schafft optimale Keimbedingungen für die Sporen des Schaderregers.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach dem EPPO-Code "PHYTIN" oder dem Namen "Phytophthora infestans". Sie erhalten eine tagesaktuelle Liste aller in Ihrem Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Angaben zu Aufwandmenge, maximalen Anwendungen, BBCH-Anwendungsfenstern und der gesetzlichen Wartezeit.

Welche Bedeutung hat der "SimPhyt"-Index für die Terminierung der ersten Fungizidbehandlung?

Der SimPhyt-Index berechnet anhand von Wetterdaten (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag) das Risiko für das Auftreten von Primärherden. Die erste Behandlung sollte genau beim Erreichen des kritischen Schwellenwerts (meist ab 150 Punkten) erfolgen, um den Bestand präventiv zu schützen, bevor sichtbare Symptome auftreten.