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Sonstiger Schaderreger

Phytophthora porri

Phytophthora porri
PHYTPO

Die Papierfleckenkrankheit, verursacht durch den oomyzeten Schaderreger Phytophthora porri (EPPO-Code: PHYTPO), ist eine ökonomisch bedeutende Erkrankung, die vor allem Kulturen der Gattung Allium betrifft. Besonders im intensiven Anbau von Porree (Allium porrum) führt dieser Erreger regelmäßig zu erheblichen Qualitäts- und Ertragseinbußen. Da die Infektion meist unter kühlen, feuchten Bedingungen im Herbst auftritt, kann sie kurz vor der Ernte ganze Bestände entwerten.

Neben Porree können auch andere Allium-Kulturen wie Speisezwiebeln (Allium cepa), Knoblauch (Allium sativum) und Schalotten (Allium ascalonicum) befallen werden. Der Erreger ist in den gemäßigten Klimazonen weltweit verbreitet und überdauert im Boden. Einmal etabliert, schränkt er die Fruchtfolgegestaltung stark ein, da die Dauersporen über viele Jahre im Substrat überlebensfähig bleiben.

Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich nicht nur aus direkten Feldverlusten, sondern auch aus Folgeschäden im Lager. Befallene Partien verrotten schnell und sind für den Frischmarkt unverkäuflich. Die Bekämpfung erfordert daher ein vorausschauendes, integriertes Management, das bereits bei der Standortwahl und der Sortenentscheidung ansetzt.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
PHYTPO
Wirte
5 Kulturen
Generationen
Mehrere ungeschlechtliche Zyklen pro Saison
Verbreitung
Der Schaderreger ist in den gemäßigten Klimazonen Europas, Asiens und Nordamerikas weit verbreitet. Besonders in den feucht-kühlen Anbauregionen Nordwest- und Mitteleuropas verursacht er regelmäßig schwere ökonomische Schäden im Herbst- und Winterporreeanbau.
Erstbeschreibung
Foister, 1929 (Großbritannien)

Biologie / Lebenszyklus

Phytophthora porri überdauert als widerstandsfähige Oospore (Dauerspore) im Boden oder in infizierten Kulturrückständen. Im Herbst, induziert durch sinkende Temperaturen und anhaltende Bodenfeuchtigkeit, keimen diese Sporen aus und bilden Sporangien. Die darin entstehenden, beweglichen Zoosporen verbreiten sich im Wasserfilm oder durch Regenspritzer und infizieren die Blätter der Kulturen. Innerhalb der Pflanze breitet sich das Myzel rasch aus, woraufhin sich bei hoher Luftfeuchtigkeit ein weißlicher Sporenträgerbelag auf den Läsionen bildet, der für die sekundäre Ausbreitung im Bestand sorgt. Zum Ende der Saison bilden sich im absterbenden Gewebe erneut Oosporen, die den Lebenszyklus schließen.

Bonitur

Das Monitoring sollte ab dem Spätsommer intensiviert werden, insbesondere ab dem BBCH-Stadium 41 (Beginn der Entwicklung der vegetativen Ernteorgane) bis hin zur Ernte (BBCH 49). Achte bei feucht-kühler Witterung (Temperaturen zwischen 10 °C und 15 °C) besonders auf Senken im Schlag, in denen sich Staunässe bildet. Da es keine etablierten wissenschaftlichen Schadschwellen in Form von exakten Prozentwerten gibt, gilt im professionellen Anbau eine Nulltoleranz: Sobald erste papierartige Blattflecken im Bestand gesichtet werden, ist eine sofortige Befallskontrolle und gegebenenfalls eine gezielte Behandlung einzuleiten, um eine epidemische Ausbreitung zu verhindern.

Symptome

Das charakteristischste Symptom sind die namensgebenden, papierartigen, fast weißen bis hellgrauen Flecken auf den Blättern, die meist an den Blattspitzen beginnen und sich nach unten ausbreiten. Die betroffenen Gewebepartien trocknen völlig aus, werden dünn und pergamentartig, wobei die Grenze zum gesunden, grünen Gewebe oft scharf abgegrenzt oder leicht wasserzügig erscheint. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann sich auf den Befallsstellen ein feiner, weißlicher Belag aus Sporangienträgern bilden. Befallene Blätter knicken häufig im Bereich der Läsionen um, und bei starkem Befall verrottet der gesamte Schaft, was den typischen Zusammenbruch der Kultur zur Folge hat.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management basiert auf einer weiten Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren ohne Allium-Kulturen, um das Potenzial der Oosporen im Boden zu reduzieren. Kulturelle Maßnahmen wie die Wahl gut drainierter Schläge, die Vermeidung von Staunässe und eine angepasste, nicht übermäßige Stickstoffdüngung sind essenziell, um das Mikroklima im Bestand trocken zu halten. Chemischer Pflanzenschutz sollte präventiv oder bei ersten Infektionsanzeichen erfolgen. Hierbei ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel zwischen Carbonsäureamiden (CAA) und Phenylamiden) zwingend erforderlich, um einer Resistenzbildung des Erregers vorzubeugen.

Wirtspflanzen

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Häufige Fragen

Wie finde ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt zugelassene Produkte gegen die Papierfleckenkrankheit?

Nutze im Hub die Filtersuche und filtere nach der Kultur 'Porree' (oder der jeweiligen Allium-Kultur) und dem Schaderreger 'Phytophthora porri'. Achte darauf, dass du gezielt nach Fungiziden mit einer Zulassung gegen Oomyzeten suchst, da klassische Pilzbekämpfungsmittel oft keine Wirkung gegen diesen speziellen Erreger zeigen.

Warum wirken herkömmliche Fungizide gegen echten Mehltau oder Rost oft nicht gegen Phytophthora porri?

Phytophthora porri gehört biologisch nicht zu den echten Pilzen, sondern zu den Oomyzeten (Eipilzen). Ihre Zellwand besteht aus Cellulose statt Chitin, und sie besitzen andere Stoffwechselwege. Du musst daher Pflanzenschutzmittel wählen, die explizit für die Bekämpfung von Oomyzeten (wie z. B. Falscher Mehltau oder Phytophthora-Arten) zugelassen sind.

Welchen Einfluss hat die Beregnung auf das Infektionsrisiko im Spätsommer?

Eine Überkopfberegnung erhöht das Risiko drastisch, da die beweglichen Zoosporen des Erregers auf einen Wasserfilm angewiesen sind, um aktiv zu den Spaltöffnungen der Blätter zu schwimmen. Beregne daher bevorzugt in den frühen Morgenstunden, damit die Kulturen rasch abtrocknen können, und vermeide Wassergaben am Abend.

Kann ich infiziertes Erntegut oder Ernterückstände auf dem Feld belassen?

Nein, das solltest du unbedingt vermeiden. Ernterückstände enthalten unzählige Dauersporen (Oosporen), die im Boden viele Jahre überleben. Befallenes Pflanzenmaterial sollte komplett vom Feld entfernt oder tief und sauber untergepflügt werden, um den Infektionsdruck für Folgejahre zu senken.

Gibt es resistente Porreesorten gegen diesen Schaderreger?

Eine absolute Resistenz gibt es derzeit bei kommerziellen Sorten nicht. Es existieren jedoch deutliche Sortenunterschiede in der Anfälligkeit; insbesondere schnell wachsende Sommersorten weichen dem herbstlichen Infektionsdruck oft aus, während für den Winteranbau robustere Sorten mit aufrechtem Wuchs und starker Wachsschicht gewählt werden sollten.

Wie unterscheide ich die Papierfleckenkrankheit im Feld von einem Thripsbefall?

Während die Papierfleckenkrankheit großflächige, scharf abgegrenzte, papierartige und völlig ausgetrocknete Blattbereiche verursacht, äußert sich Thripsbefall durch silbrige Saugestellen mit winzigen, schwarzen Kotpunkten auf der Blattoberfläche. Bei Zweifel hilft eine Lupe: Die pergamentartigen Flecken von Phytophthora porri weisen keine Kotspuren auf und führen oft zum Abknicken des Blattes.