Phytophthora porri
Die Papierfleckenkrankheit, verursacht durch den oomyzeten Schaderreger Phytophthora porri (EPPO-Code: PHYTPO), ist eine wirtschaftlich bedeutende Krankheit im professionellen Anbau von Allium-Arten. Besonders betroffen ist der Porree (Allium porrum), aber auch Speisezwiebeln, Knoblauch, Schalotten und Winterheckenzwiebeln gehören zum Wirtsspektrum dieses Erregers. Die Krankheit tritt vor allem in gemäßigten Klimazonen auf und kann insbesondere bei feucht-kühler Witterung im Herbst und Winter zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten führen.
Die Infektion führt zu charakteristischen, papierartigen Verfärbungen der Blätter, was die Vermarktungsfähigkeit des Ernteguts drastisch reduziert. Da Porree oft über den Winter auf dem Feld verbleibt, stellt Phytophthora porri ein dauerhaftes Risiko für den Winteranbau dar. Ein starker Befall zwingt Erzeuger zu einer intensiven Sortierung oder führt im schlimmsten Fall zum Totalausfall ganzer Partien, da befallene Schäfte rasch von Sekundärschädlingen oder Fäulniserregern besiedelt werden.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert als widerstandsfähige Oospore im Boden oder in infizierten Kulturrückständen für mehrere Jahre. Unter feucht-kühlen Bedingungen (optimal sind Temperaturen zwischen 10 °C und 15 °C) keimen diese Dauersporen aus und bilden Sporangien, die bewegliche Zoosporen freisetzen. Diese Zoosporen verbreiten sich im Wasserfilm auf der Bodenoberfläche oder werden durch Regenspritzer auf die unteren Blätter der Kultur übertragen. Nach der Erstinfektion dringt das Myzel in das Pflanzengewebe ein, wo es sich interzellulär ausbreitet und nach kurzer Zeit neue Sporangien für die sekundäre Ausbreitung im Bestand bildet.
Bonitur
Das Monitoring sollte ab dem Pflanzenaufgang bzw. der Pflanzung (ab BBCH-Stadium 14 bis 19) und besonders intensiv während der Hauptwachstumsphase im Spätsommer und Herbst (BBCH 40 bis 49) erfolgen. Da es keine etablierten wissenschaftlichen Schadschwellenwerte gibt, gilt im professionellen Anbau eine Nulltoleranz bei beginnender feucht-kühler Witterung. Kontrollen konzentrieren sich auf tief liegende Feldstellen, verdichtete Böden mit Neigung zu Staunässe sowie auf die windabgewandten Feldränder. Ein wöchentliches Scouting ist ab September unerlässlich, um erste Infektionsherde frühzeitig zu erkennen und eine Ausbreitung durch rechtzeitige Behandlungen zu verhindern.
Symptome
Die Symptome beginnen meist an den Blattspitzen oder im oberen Drittel der Blätter als wassergesättigte, graugrüne Flecken. Im weiteren Verlauf trocknen diese Stellen rasch ein und nehmen eine charakteristische, papierartige, weiße bis strohgelbe Färbung an. Die betroffenen Blattpartien knicken oft an der Grenze zum gesunden Gewebe um. Bei anhaltend feuchtem Wetter kann sich auf den Flecken ein feiner, weißlicher Sporenbelag bilden. Schreitet die Infektion fort, wandert der Erreger systematisch nach unten in den Schaft, was zu einer weichen, wässrigen Fäule führt.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt primär auf vorbeugende kulturtechnische Maßnahmen. Dazu gehören eine weite Fruchtfolge (mindestens 3 bis 4 Jahre ohne Allium-Kulturen), die Vermeidung von Staunässe durch Tiefenlockerung und die Wahl gut drainierter Standorte. Eine weite Pflanzweite fördert das schnelle Abtrocknen der Bestände. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten präventiv vor Infektionsperioden oder unmittelbar bei ersten Symptomen eingesetzt werden. Hierbei ist ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen FRAC-Gruppen (z. B. Carbamate, CAA-Fungizide und Phenylamide) zwingend erforderlich, um das Risiko von Resistenzbildungen zu minimieren.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Befall durch Phytophthora porri von Frostschäden an Porree?
Während Frostschäden meist gleichmäßig über die gesamten Blattspitzen des Bestandes auftreten und das Gewebe schlaff, aber homogen vertrocknet, zeigt die Papierfleckenkrankheit scharf abgegrenzte, unregelmäßige Flecken, die oft asymmetrisch am Blatt herablaufen. Zudem knicken infizierte Blätter an den Befallsstellen charakteristisch ab, und bei anhaltender Feuchtigkeit ist ein feiner Pilzrasen erkennbar, der bei reinem Frostschaden fehlt.
Welche Rolle spielt die Beregnung bei der Ausbreitung der Papierfleckenkrankheit?
Da die Zoosporen von Phytophthora porri auf freies Wasser zur Fortbewegung angewiesen sind, fördert jede Überkopfberegnung die Infektion massiv. Beregnungsgänge sollten daher ausschließlich in den frühen Morgenstunden erfolgen, damit die Kultur im Tagesverlauf rasch abtrocknen kann. In Risikoperioden im Herbst sollte die Beregnung komplett eingestellt oder auf ein Minimum reduziert werden.
Gibt es resistente Porreesorten gegen diesen Schaderreger?
Eine absolute Resistenz ist bei den kommerziell verfügbaren Porreekulturen derzeit nicht bekannt. Es gibt jedoch deutliche Sortenunterschiede hinsichtlich der Anfälligkeit. Schnell wachsende Sommersorten sind oft anfälliger, während einige robuste Wintersorten eine höhere Toleranz aufweisen und aufgrund ihrer aufrechten Blatthaltung schneller abtrocknen, was dem Erreger die Infektion erschwert.
Wie lange überleben die Oosporen von Phytophthora porri im Boden und was bedeutet das für die Fruchtfolge?
Die dickwandigen Oosporen können im Boden mindestens 3 bis 4 Jahre ohne Wirtspflanze überdauern. Für eine effektive Risikominderung ist daher eine strikte Fruchtfolge von mindestens 4 Jahren zu Allium-Kulturen einzuhalten. Zudem sollten Ausfallzwiebeln und Unkräuter aus der Familie der Alliaceae konsequent reguliert werden, um dem Erreger keine Zwischenwirte zu bieten.
Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub registrierte Pflanzenschutzmittel gegen diesen Erreger gezielt finden?
Suchen Sie im Hub nach der Zielkultur „Porree“ (oder der entsprechenden Allium-Art) und filtern Sie nach dem Schaderreger „Phytophthora porri“ oder „Papierfleckenkrankheit“. Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel besonders auf die zugelassenen BBCH-Stadien und die einzuhaltende Wartezeit (PHI), da Behandlungen oft nah an der Ernte im Spätherbst stattfinden.
Welche FRAC-Klassen stehen für die chemische Behandlung zur Verfügung und wie sieht eine Antiresistenzstrategie aus?
Zur Bekämpfung stehen Wirkstoffe aus den FRAC-Gruppen 4 (Phenylamide), 21 (QiI-Fungizide) und 40 (CAA-Fungizide) zur Verfügung. Um Resistenzen vorzubeugen, dürfen Produkte derselben FRAC-Klasse nicht blockweise hintereinander angewendet werden. Kombinieren oder wechseln Sie die Anwendungen systematisch mit Kontaktfungiziden (z. B. FRAC M05), sofern für die Kultur zugelassen.