Schwarzwurzel
Die Echte Schwarzwurzel (Scorzonera hispanica), im Handel oft einfach als Schwarzwurzel bezeichnet, ist eine traditionsreiche und ernährungsphysiologisch wertvolle Gemüsekultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Unter dem EPPO-Code SCVHI geführt, zeichnet sich diese zweijährige, im Anbau jedoch einjährig kultivierte Kultur durch ihre langen, tiefschwarzen Pfahlwurzeln aus, die aufgrund ihres feinen, spargelähnlichen Aromas geschätzt werden. In Mitteleuropa hat sie als winterhartes Gemüse eine wichtige Nische im Freilandanbau inne.
Der Anbau von Scorzonera hispanica stellt hohe Anforderungen an die Bodenbeschaffenheit und die Geduld des Anbauers. Da die Kultur eine sehr lange Vegetationszeit beansprucht und in der Jugendphase extrem langsam wächst, ist ein präzises Kulturmanagement unerlässlich. Ein erfolgreicher Anbau sichert dem Betrieb jedoch eine wertvolle Ernte im späten Herbst und über die Wintermonate hinweg, wenn frisches Freilandgemüse knapp ist.
Bodenmanagement
Schwarzwurzeln stellen extrem hohe Ansprüche an die physikalische Bodenbeschaffenheit und verlangen tiefgründige, steinfreie und gut strukturierte Böden. Optimal geeignet sind sandige Lehme oder tiefgründige, humose Sandböden, die den Pfahlwurzeln ein ungehindertes Tiefenwachstum ermöglichen. Eine intensive Bodenbearbeitung, idealerweise eine Tiefenlockerung bis auf 30–40 cm im vorhergehenden Herbst, verhindert die gefürchtete Beinigkeit der Wurzeln. Der pH-Wert des Bodens sollte im neutralen bis schwach sauren Bereich liegen (6,0 bis 7,5), da die Kultur empfindlich auf saure Bedingungen reagiert; eine Erhaltungskalkung vor dem Anbau ist auf schwächeren Standorten ratsam. Die Stickstoffdüngung muss verhalten und bedarfsgerecht erfolgen (ca. 100–120 kg N/ha inkl. Nmin), da ein Überangebot an Stickstoff das Blattwachstum auf Kosten der Wurzelqualität fördert und die Anfälligkeit für Krankheiten erhöht.
Schaderreger-Management
Der Schutz vor Schaderregern konzentriert sich bei der Schwarzwurzel vor allem auf bodenbürtige Pilze und Blattkrankheiten. Besonders gefährlich sind Rhizoctonia solani (Wurzelöter) und Sclerotinia sclerotiorum, welche zu nassen Fäulen an den Wurzeln führen und die Ernte unverkäuflich machen; vorbeugend hilft hier nur eine strikte Fruchtfolgehygiene mit weiten Anbaupausen zu anderen gefährdeten Kulturen. Gegen den Weißen Rost (Albugo tragopogonis) und den Echten Mehltau müssen bei Befallsbeginn im Sommer gezielte Behandlungen mit zugelassenen Fungiziden durchgeführt werden, um die Assimilationsfläche zu erhalten. Tierische Schädlinge wie Drahtwürmer oder die Möhrenfliege können die Wurzeln schädigen, weshalb die Flächenauswahl (kein Umbruch von Dauergrünland direkt vor dem Anbau) eine entscheidende Rolle spielt. Alle Pflanzenschutzmittel-Anwendungen müssen streng nach den Vorgaben des BVL und unter Beachtung der spezifischen Wartezeit erfolgen.
Sorten
Duplex
mittelfrüh bis spätSehr ertragsstabil mit hohem Anteil an erstklassiger Marktware (A-Sortierung).
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Echter Mehltau, Weißrost
Eine der am weitesten verbreiteten Standardsorten im professionellen Anbau in Deutschland. Sie zeichnet sich durch sehr gleichmäßige, dicke und walzenförmige Wurzeln mit glatter, tiefschwarzer Haut aus.
Hoffmanns schwarze Pfahl
mittelfrühKonstant hohe Erträge, besonders bei früher Aussaat im März.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Weißrost, Sclerotinia-Fäule
Traditionelle, bewährte Sorte für den Erwerbsanbau und den Frischmarkt. Bildet lange, spitz zulaufende Wurzeln mit hervorragendem Aroma und sehr gutem Wiedererholungsvermögen nach Frostperioden.
Lange Jan
spätSehr hohes Ertragspotenzial im späten Erntefenster.
Resistent gegen: Wurzelbruch
Anfällig für: Echter Mehltau, Rhizoctonia solani
Wüchsige Sorte, die besonders lange und schwere Wurzeln ausbildet. Benötigt zwingend sehr tiefgründig gelockerte Böden, um ihr volles Potenzial ohne Verzweigungen auszuschöpfen.
Einjährige Riesen
mittelfrühSichere Erträge auch unter wechselhaften Witterungsbedingungen im Frühjahr.
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Weißrost
Schnellwüchsige Sorte mit kräftigem Laub und gutem Dickenwachstum der Wurzeln. Eignet sich gut für den früheren Erntebeginn ab Oktober.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Beinigkeit und Wurzelverzweigungen bei Schwarzwurzeln pflanzenbaulich minimieren?
Beinigkeit entsteht primär durch mechanische Hindernisse im Unterboden oder durch den Einsatz von frischem organischem Dünger. Zur Vermeidung muss im Herbst eine tiefe Bodenlockerung ohne Pflugsohle erfolgen. Zudem darf organische Düngung (wie Stallmist oder Gülle) niemals direkt zur Kultur, sondern ausschließlich zur Vorfrucht verabreicht werden, um Wurzeldeformationen und den Befall mit bodenbürtigen Schaderregern zu verhindern.
Warum ist die Unkrautregulierung in den BBCH-Stadien 10 bis 19 von existentieller Bedeutung?
Schwarzwurzeln weisen eine extrem langsame Jugendentwicklung auf; oft vergehen von der Saat bis zum Reihenschluss mehrere Wochen. In dieser Phase besitzt die Kultur keinerlei Konkurrenzkraft gegen Unkräuter. Ein frühzeitiger, strategischer Einsatz von zugelassenen Vorauflauf-Herbiziden, gefolgt von präzisen mechanischen Hackdurchgängen im Nachauflauf, ist zwingend erforderlich, um ein Überwachsen des Bestandes zu verhindern.
Welche Bekämpfungsstrategie empfiehlt sich bei einem Befall mit Weißrost (Albugo tragopogonis)?
Weißrost zeigt sich durch typische weiße Pusteln auf den Blättern und kann bei feucht-warmer Witterung im Sommer rasch um sich greifen. Die Strategie basiert auf einer weiten Fruchtfolge (mindestens 4 Jahre Anbaupause zu anderen Korbblütlern) und einer regelmäßigen Bestandskontrolle ab Juni. Bei ersten Befallssymptomen müssen zugelassene Pflanzenschutzmittel (Fungizide) appliziert werden, um den Blattapparat und damit das Wurzelwachstum zu schützen.
Wie wirkt sich die Frosthärte der Kultur auf die Ernteplanung und die Lagerung aus?
Da Scorzonera hispanica absolut frosthart ist, können die Wurzeln den gesamten Winter über im frostfreien Boden verbleiben und bedarfsgerecht gerodet werden. Nach der Rodung sind die Wurzeln jedoch extrem empfindlich gegen Austrocknung und mechanische Beschädigung. Für eine längere Lagerung müssen sie unverzüglich in feuchtem Sand oder unter kontrollierten Bedingungen bei 0 bis 1 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 95–97 % untergebracht werden.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel für diese Sonderkultur?
Da Schwarzwurzeln als Sonderkultur oft über Lückenindikationen oder Notfallzulassungen nach Artikel 51 der Verordnung (EG) 1107/2009 behandelt werden, ist die Zulassungssituation hochdynamisch. Nutzen Sie auf unserer Plattform die Filterfunktion für Kulturen und wählen Sie 'Schwarzwurzel' sowie den spezifischen Schaderreger aus. Das System listet Ihnen tagesaktuell alle in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge, maximaler Anwendungen und der einzuhaltenden Wartezeit auf.