Rucola-Arten
Die BVL-Kulturgruppe „Rucola-Arten“ (Gruppe NNNRA) fasst verschiedene botanische Taxa zusammen, die im Erwerbsgemüsebau als würzige Blattsalate angebaut werden. Hierzu gehören sowohl die einjährige Ölrauke (Eruca vesicaria subsp. sativa) als auch mehrjährige Arten aus der Gattung der Doppelsamen (Diplotaxis), wie der Schmalblättrige Doppelsame (Diplotaxis tenuifolia), die Mauerrauke (Diplotaxis muralis) und die Falsche Rauke (Diplotaxis erucoides).
Die Zusammenfassung dieser Kulturen in einer gemeinsamen Registrierungsgruppe ist pflanzenbaulich und zulassungsrechtlich hochgradig sinnvoll. Alle Gruppenmitglieder gehören zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), weisen sehr ähnliche Wachstumsdynamiken auf und werden meist als schnellwüchsige, mehrschnittige Blattsalate im Freiland oder unter Glas kultiviert. Aufgrund dieser biologischen und anbautechnischen Homogenität ist das Spektrum der relevanten Schaderreger nahezu identisch, was eine gemeinsame Zulassung von Pflanzenschutzmitteln für die gesamte Gruppe ermöglicht.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Im integrierten Pflanzenschutz der Rucola-Arten steht die Gesunderhaltung des erntefähigen Blattes im Vordergrund, da bereits minimale optische Beeinträchtigungen zur Unverkäuflichkeit führen. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern zählen bodenbürtige Pilze wie *Rhizoctonia solani* sowie *Sclerotinia sclerotiorum* und *Sclerotinia minor*, die insbesondere bei feucht-warmer Witterung oder in dichten Beständen gravierende Fäulnissymptome verursachen. Auch *Botrytis cinerea* kann bei unzureichender Belüftung im geschützten Anbau rasch um sich greifen. Da Rucola-Arten sehr dicht gesät werden, ist zudem die Unkrautregulierung – beispielsweise gegen die Einjährige Rispe (*Poa annua*) – in den frühen BBCH-Stadien entscheidend, um Konkurrenz um Licht und Nährstoffe sowie Verunreinigungen bei der mechanischen Ernte zu vermeiden. Die Bekämpfung dieser Schaderreger stützt sich auf eine Kombination aus weiten Fruchtfolgen (Vermeidung von Kreuzblütlern als Vorfrüchte), optimierter Bewässerung zur schnellen Abtrocknung der Bestände und dem gezielten Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel. Da für die gesamte Kulturgruppe NNNRA einheitliche Zulassungen gelten, können registrierte Fungizide und Herbizide flexibel über alle enthaltenen Rauke-Arten hinweg angewendet werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement nach den Vorgaben von FRAC und HRAC zwingend erforderlich; dies beinhaltet den strikten Wechsel von Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen innerhalb einer Spritzfolge.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie finde ich in der Datenbank gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel für die gesamte Gruppe der Rucola-Arten?
Suchen Sie im Hub gezielt nach dem BVL-Code „NNNRA“ oder dem Begriff „Rucola-Arten“. Da Zulassungen auf Gruppenebene für alle enthaltenen Kulturen wie Ölrauke oder Schmalblättrigen Doppelsamen gleichermaßen gelten, sind diese Pflanzenschutzmittel universell einsetzbar. Achten Sie bei der Auswahl auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen für Freiland oder Gewächshaus.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Ölrauke und Doppelsame-Arten bei der Herbizidanwendung trotz gemeinsamer Gruppe wichtig?
Obwohl beide Gattungen zur Gruppe NNNRA gehören, reagieren sie aufgrund morphologischer Unterschiede (z. B. Wachsschicht, Blattform) und ihrer Lebensdauer (einjährig vs. mehrjährig) unterschiedlich empfindlich auf bestimmte Herbizide. Vor einer Anwendung sollte im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf stets die Kulturverträglichkeit der spezifisch angebauten Art geprüft werden, um phytotoxische Schäden zu vermeiden.
Welches BBCH-Stadium ist für die vorbeugende Fungizidbehandlung gegen bodenbürtige Pilze entscheidend?
Behandlungen gegen *Rhizoctonia solani* und *Sclerotinia*-Arten sollten idealerweise sehr früh erfolgen, meist ab dem BBCH-Stadium 12 bis 14 (2- bis 4-Laubblattstadium), sobald die Reihenschließung bevorsteht. Spätere Anwendungen erreichen den bodennahen Stängelbereich und die unteren Blätter aufgrund des dichten Blattbaldachins oft nicht mehr ausreichend.
Wie beeinflusst die Mehrschnittigkeit von Rucola die Einhaltung der gesetzlichen Wartezeiten?
Bei mehrschnittigem Anbau (insbesondere beim Schmalblättrigen Doppelsamen) muss die Wartezeit (PHI) eines Pflanzenschutzmittels exakt auf den jeweiligen Schnitttermin abgestimmt werden. Nach einer Behandlung darf der nächste Schnitt erst nach Ablauf der vorgeschriebenen Wartezeit erfolgen. Oft empfiehlt es sich, Pflanzenschutzmittel unmittelbar nach einem Schnitt auf die verbleibenden Stoppeln zu applizieren, um die Wartezeit bis zum Folgeschnitt optimal auszunutzen.
Wie lässt sich eine Resistenzbildung bei der Bekämpfung von *Botrytis cinerea* im geschützten Rucola-Anbau verhindern?
Im geschützten Anbau ist der Selektionsdruck für Resistenzen besonders hoch. Nutzen Sie für die Fungizidbehandlungen einen konsequenten Wechsel zwischen verschiedenen FRAC-Klassen (z. B. SDHI, Strobilurine und Fludioxonil). Kombinieren Sie chemische Maßnahmen stets mit kulturtechnischen Methoden wie einer sensorgesteuerten Lüftung zur Senkung der Luftfeuchtigkeit.
Welche Besonderheiten gelten für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei Rucola im ökologischen Anbau?
Im ökologischen Anbau dürfen nur Pflanzenschutzmittel angewendet werden, die gemäß der EU-Öko-Verordnung und den Verbandsrichtlinien gelistet sind (z. B. auf Basis von Kupfer, Schwefel oder biologischen Präparaten wie *Bacillus amyloliquefaciens* gegen *Sclerotinia*). Auch hier gilt die Zulassung für die Gruppe NNNRA, jedoch müssen die spezifischen ökologischen Auflagen und Rückstandshöchstmengen strengstens beachtet werden.