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Kultur

Schwarzer Nachtschatten

Solanum nigrum
SOLNI

Der Schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum, EPPO-Code: SOLNI) ist ein einjähriges, krautiges Unkraut aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Er gehört weltweit zu den anpassungsfähigsten und problematischsten Unkräutern im Acker- und Gemüsebau. Besonders in spät schließenden Reihenkulturen wie Mais (Zea mays), Kartoffeln (Solanum tuberosum), Zuckerrüben sowie im Leguminosen- und Feldgemüseanbau stellt er aufgrund seiner enormen Konkurrenzkraft eine erhebliche wirtschaftliche Bedrohung dar.

Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich nicht nur aus der direkten Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe, die zu empfindlichen Ertragseinbußen führen kann. Ein großes Problem ist auch die Verunreinigung des Ernteguts. Die saftigen, schwarzen Beeren reifen oft zeitgleich mit Kulturen wie Erbsen oder Buschbohnen und erschweren die Ernte, verstopfen Siebe von Erntemaschinen und mindern durch Verfärbungen und toxische Solanin-Rückstände die Qualität und Vermarktbarkeit der Ernte drastisch. Zudem dient die Art als Wirt für wichtige Viren und Nematoden.

Typ
Kultur
EPPO-Code
SOLNI
Wirte
10 Kulturen
Generationen
1 Generation pro Jahr (mit mehreren aufeinanderfolgenden Keimwellen)
Verbreitung
Der Schwarze Nachtschatten ist weltweit in den gemäßigten, subtropischen und tropischen Zonen verbreitet und verursacht insbesondere in den intensiven Acker- und Gemüsebauregionen Mitteleuropas erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste.

Biologie / Lebenszyklus

Der Schwarze Nachtschatten ist ein typischer Spätkeimer, dessen Keimung erst bei höheren Bodentemperaturen ab etwa 10 bis 15 °C einsetzt, mit einem Optimum bei 20 bis 30 °C. Dies führt dazu, dass ab dem späten Frühjahr bis in den Spätsommer hinein mehrere Keimwellen auftreten, die oft nach den ersten Herbizidmaßnahmen auflaufen. Nach dem schnellen vegetativen Wachstum beginnt die Blütezeit im Juni und erstreckt sich oft bis zum ersten Frost. Eine einzelne Pflanze kann unter günstigen Bedingungen bis zu 10.000 Samen produzieren, die im Boden extrem langlebig sind (oft über 10 Jahre) und die Samenbank im Boden nachhaltig anreichen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte im Frühjahr direkt nach dem Auflaufen der Hauptkulturen beginnen, insbesondere ab dem BBCH-Stadium 12 bis 14 des Maises oder nach dem Legen der Kartoffeln. Da der Schaderreger gestaffelt aufläuft, musst du die Flächen regelmäßig, idealerweise im Abstand von 7 bis 10 Tagen, kontrollieren. Eine wirtschaftliche Schadensschwelle liegt in empfindlichen Kulturen wie Gemüse oder Leguminosen oft schon bei 0,5 bis 1 Pflanze pro Quadratmeter, während in robusten Kulturen wie Mais meist 2 bis 5 Pflanzen pro Quadratmeter toleriert werden können, bevor eine gezielte Behandlung eingeleitet werden muss. Achte besonders auf Spätverunkrautungen nach dem Reihenschluss, da diese die Erntetechnik massiv beeinträchtigen können.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management von *Solanum nigrum* erfordert eine integrierte Strategie, die mechanische, pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. Pflanzenbaulich helfen eine weite Fruchtfolge, der Anbau von schnell schließenden Zwischenfrüchten und eine gezielte falsche Saatbettbereitung im Frühjahr, um die erste Keimwelle vor der Aussaat mechanisch zu eliminieren. Mechanische Regulierungen wie Hacken und Striegeln sind im frühen Keimblattstadium der Unkräuter am effektivsten. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist ein Wirkstoffwechsel nach dem HRAC-Klassifizierungssystem zwingend erforderlich, um Resistenzbildungen (insbesondere gegen ALS-Inhibitoren der HRAC-Gruppe 2 und Photosynthese-Inhibitoren der HRAC-Gruppe 5) vorzubeugen. Nutze Bodenherbizide mit langanhaltender Wirkung im Vorauflauf, kombiniert mit gezielten Nachauflaufbehandlungen, um auch spätere Keimwellen sicher zu erfassen.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Warum ist der Schwarze Nachtschatten im Erbsen- und Bohnenanbau besonders gefürchtet?

Die unreifen, grünen Beeren des Unkrauts haben eine ähnliche Größe und Dichte wie Erbsen und können bei der maschinellen Ernte nicht vollständig aussortiert werden. Zudem färbt der Saft reifer Beeren das Erntegut dunkel und mindert die Qualität drastisch, während die enthaltenen Solanin-Alkaloide giftig sind.

Wie wirkt sich eine späte Keimwelle nach dem Reihenschluss der Kultur aus?

Da der Schwarze Nachtschatten sehr schattentolerant ist, kann er auch unter dem schließenden Blätterdach der Kultur heranwachsen. Diese späten Pflanzen produzieren zwar weniger Samen, behindern aber die Erntemaschinen durch ihre feuchte, zähe Biomasse und verunreinigen das Erntegut im Herbst.

Welche Rolle spielt das HRAC-System bei der chemischen Regulierung dieses Unkrauts?

Um der Entstehung von Herbizidresistenzen vorzubeugen, musst du Wirkstoffe aus unterschiedlichen HRAC-Klassen kombinieren oder abwechseln. Da weltweit bereits Resistenzen von Solanum nigrum gegen Triazine (HRAC 5) und ALS-Hemmer (HRAC 2) bekannt sind, sichert ein gezielter Wirkstoffwechsel den langfristigen Bekämpfungserfolg.

Wie kann ich die Keimung des Schwarzen Nachtschattens durch Bodenbearbeitung beeinflussen?

Da es sich um einen Licht- und Wärmekeimer handelt, fördert eine flache Bodenbearbeitung im warmen Frühjahr (falsches Saatbett) das Auflaufen. Die aufgelaufenen Keimlinge kannst du dann vor der eigentlichen Aussaat mechanisch oder thermisch vernichten, um das Samenpotenzial im Oberboden zu reduzieren.

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Kann der Schwarze Nachtschatten auch biologisch reguliert werden?

Eine direkte biologische Bekämpfung durch Nützlinge oder Pathogene ist im Praxismaßstab derzeit nicht etabliert. Die Regulierung im ökologischen Landbau stützt sich daher primär auf vorbeugende Maßnahmen wie dichte Zwischenfrüchte, präzises Hacken in der Reihe und thermische Verfahren (Abflammen) vor dem Auflaufen der Kultur.