Schwarzer Nachtschatten
Der Schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum, EPPO-Code: SOLNI) ist ein weltweit verbreitetes, einjähriges Unkraut aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). In Mitteleuropa tritt der Schaderreger vor allem als wärmeliebendes Spätunkraut in Sommerungen auf. Aufgrund seiner hohen Anpassungsfähigkeit und des raschen Wachstums konkurriert er stark mit den angebauten Kulturen um Licht, Wasser und Nährstoffe.
Die ökonomische Relevanz von Solanum nigrum ist erheblich, insbesondere in Kulturen wie Mais (Zea mays), Kartoffeln (Solanum tuberosum) und verschiedenen Gemüsearten wie Buschbohnen oder Zwiebeln. Neben dem direkten Ertragsverlust durch Konkurrenz erschwert die klebrige, saftige Biomasse der reifen Beeren bei der Ernte den Drusch und kann zur Verschmutzung und Qualitätsminderung des Ernteguts führen. Zudem sind alle Pflanzenteile, insbesondere die unreifen grünen Beeren, durch den Gehalt an Solanin für Mensch und Tier giftig.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schwarze Nachtschatten ist ein typischer Sommerannueller und gilt als ausgeprägter Spätkeimer, dessen Keimung erst bei höheren Bodentemperaturen ab etwa 15 °C (meist ab Mai) einsetzt. Nach dem schnellen Auflaufen entwickelt das Unkraut rasch eine stark verzweigte Wurzel und einen krautigen, bis zu 80 cm hohen Spross. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis in den Herbst, wobei eine einzelne Pflanze bis zu 500 Beeren mit insgesamt über 10.000 Samen produzieren kann. Die Verbreitung der Samen erfolgt vor allem durch Vögel (Endozoochorie) sowie durch landwirtschaftliche Maschinen, während die Samen im Boden eine extrem hohe Langlebigkeit von oft mehr als zehn Jahren aufweisen.
Bonitur
Das Monitoring im Feld sollte ab dem späten Frühjahr intensiviert werden, sobald die Bodentemperaturen steigen. In Hauptkulturen wie Mais liegt der kritische Zeitraum für die Erfassung zwischen den BBCH-Stadien 12 und 18 (2- bis 8-Blattstadium der Kultur), da hier die Konkurrenzwirkung am größten ist. Eine gezielte Bonitur erfolgt durch das Auszählen der aufgelaufenen Keimpflanzen pro Quadratmeter; als wirtschaftliche Schadensschwelle in Reihenkulturen gilt oft bereits ein Besatz von 1 bis 2 Pflanzen/m², da sich das Unkraut schnell entwickelt und die Erntetechnik behindert.
Integriertes Management
Ein integriertes Management von Solanum nigrum basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen, mechanischen und chemischen Maßnahmen. Vorbeugend helfen eine weite Fruchtfolge mit hohem Wintergetreideanteil, die Förderung einer schnellen Jugendentwicklung der Kultur sowie das gründliche Reinigen der Erntemaschinen zur Verhinderung der Samenverschleppung. Mechanisch lässt sich das Unkraut im frühen Keimblattstadium sehr gut durch Striegeln oder Hacken regulieren. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf eine rechtzeitige Anwendung im frühen Nachauflauf (BBCH 10 bis 12 des Unkrauts) zu achten, da ältere Pflanzen eine hohe Toleranz gegenüber vielen Herbiziden entwickeln. Zur Vermeidung von Herbizidresistenzen ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement gemäß den HRAC-Richtlinien durch den Wechsel von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zwingend erforderlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist der Schwarze Nachtschatten bei der Ernte von Druschfrüchten besonders problematisch?
Die saftigen, reifen Beeren platzen während des Druschvorgangs auf. Der austretende klebrige Saft verklebt die Siebe und Trommeln des Mähdreschers, bindet Staub und führt zu einer extremen Verschmutzung des Ernteguts (z. B. bei Erbsen oder Sojabohnen), was oft zu empfindlichen Preisabzügen oder zur Ablehnung der Partie führt.
Wie beeinflusst die Keimtemperatur des Schwarzen Nachtschattens den optimalen Anwendungszeitpunkt von Herbiziden?
Da Solanum nigrum ein ausgeprägter Spätkeimer ist, läuft er oft erst nach den klassischen Vorauflaufbehandlungen im Frühjahr auf. Pflanzenschutzmittel müssen daher gezielt im Nachauflauf appliziert werden, wenn die Hauptwelle des Unkrauts aufgelaufen ist, sich aber noch im empfindlichen Keim- bis Laubblattstadium befindet.
Welche Rolle spielt die HRAC-Klassifizierung bei der Bekämpfung dieses Schaderregers?
In einigen Regionen haben sich bereits Biotypen entwickelt, die Resistenzen gegen bestimmte Herbizidklassen (insbesondere ALS-Inhibitoren, HRAC-Gruppe 2) aufweisen. Ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen HRAC-Klassen (z. B. Einbeziehung von HRAC-Gruppe 5 oder 27) ist entscheidend, um die Selektion resistenter Populationen zu verhindern.
Wie finde ich im Agronomy-Hub gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schwarzen Nachtschatten für meine spezifische Kultur?
Nutzen Sie die Filterfunktion in unserem Hub, wählen Sie Ihre Hauptkultur (z. B. Mais oder Kartoffel) und filtern Sie nach dem Schaderreger Solanum nigrum. Das System listet Ihnen alle aktuell für diese Indikation registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge, BBCH-Anwendungsfenster und Wartezeit auf.
Kann eine mechanische Unkrautbekämpfung den Schwarzen Nachtschatten vollständig kontrollieren?
Mechanische Maßnahmen wie Hacken und Striegeln sind im frühen Keimblattstadium hochwirksam. Sobald die Pflanzen jedoch das 4-Blatt-Stadium überschritten haben und tiefer wurzeln, sinkt der Wirkungsgrad deutlich, weshalb in stark belasteten Flächen oft eine Kombination aus mechanischen und chemischen Anwendungen notwendig ist.
Warum ist die Tiefenwirkung von Bodenherbiziden bei diesem Unkraut oft eingeschränkt?
Die Samen von Solanum nigrum können auch aus tieferen Bodenschichten (bis zu 4 cm) erfolgreich keimen. Viele reine Bodenherbizide wirken primär in den obersten Millimetern der Bodenkrume, weshalb tief keimende Individuen dem Wirkstofffilm entgehen und eine spätere Nachauflaufbehandlung erfordern.