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Kultur

Kohlrübe

Brassica napus subsp. rapifera
BRSNA

Die Kohlrübe (Brassica napus subsp. rapifera, EPPO-Code: BRSNA), regional auch als Steckrübe, Erdkohlrabi oder Wruke bezeichnet, ist eine traditionelle und anbautechnisch anspruchsvolle zweijährige Kultur, die im Erwerbsanbau als einjährige Knollenfrucht kultiviert wird. Sie gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und zeichnet sich durch eine hohe Frosttoleranz sowie eine hervorragende Lagerfähigkeit aus. Im modernen mitteleuropäischen Gemüsebau gewinnt die Kultur zunehmend an Bedeutung, sowohl für den Frischmarkt als auch für die industrielle Verarbeitung.

Die botanische Besonderheit liegt in der Ausbildung einer verdickten Rübe, die morphologisch aus dem Hypokotyl und den untersten Stängelgliedern entsteht. Für einen erfolgreichen Anbau sind eine präzise Steuerung der Nährstoffversorgung und ein integrierter Pflanzenschutz entscheidend, da die Kultur empfindlich auf typische Schaderreger von Kohlgewächsen reagiert. Durch ihre späte Ernte im Herbst stellt sie ein wichtiges Bindeglied in der Fruchtfolge dar.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte Mai bis Ende Juni
Erntefenster
Oktober bis November
Reihenabstand
40–50 cm x 25–30 cm
Typischer Ertrag
40–60 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1600–1900 °C
Boden-pH
6,0–7,2

Bodenmanagement

Die Kohlrübe bevorzugt mittelschwere, tiefgründige Lehmböden mit guter Wasserführung und hohem Humusgehalt, da Staunässe strikt vermieden werden muss. Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist besonders während des Hauptdickenwachstums der Rüben im Spätsommer kritisch, um ein Verholzen oder Aufplatzen des Gewebes zu verhindern. Der pH-Wert sollte im schwach sauren bis neutralen Bereich liegen, um die Verfügbarkeit von Mikronährstoffen zu sichern und das Risiko von Kohlhernie zu minimieren. Eine gezielte Düngung mit Bor ist unerlässlich, da Bormangel zu Herzfäule und braunen Flecken im Rübeninneren führt. Vor dem Anbau sollte eine gründliche Bodenbearbeitung erfolgen, um Verdichtungen im Unterboden zu beseitigen und eine gleichmäßige Wurzelentwicklung zu ermöglichen.

Schaderreger-Management

Im integrierten Pflanzenschutz der Kohlrübe steht die Vorbeugung gegen bodenbürtige Schaderreger wie Rhizoctonia solani und Sclerotinia sclerotiorum im Vordergrund, was eine weite Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen Brassicaceen erfordert. Gegen tierische Schädlinge wie die Kohlfliege, Erdflöhe und Kohlgallenrüssler ist der Einsatz von Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung oder dem Auflaufen die wirksamste mechanische Maßnahme. Bei feuchter Witterung im Spätsommer muss auf Blattkrankheiten wie Alternaria brassicae (Schwärze) und Echten Mehltau geachtet werden, um den Blattapparat funktionsfähig zu halten. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt nach Erreichen der Schadschwellen appliziert werden, wobei die jeweilige Wartezeit vor der Ernte strikt einzuhalten ist. Eine sorgfältige Feldhygiene und das tiefe Unterpflügen von Ernterückständen reduzieren das Inokulum für Folgejahre erheblich.

Sorten

Helenor

Mittelfrüh bis spät

Sehr hoher Ertrag an vermarktungsfähiger Ware.

Resistent gegen: Mehltau

Anfällig für: Kohlhernie

Sehr bewährte, ertragsstabile Sorte mit runden, glatten Rüben und feinem, gelbem Fleisch. Hervorragend lagerfähig.

Wilhelmsburger

Spät

Konstant hohe Erträge auch auf leichteren Standorten.

Resistent gegen: Kohlhernie

Anfällig für: Echter Mehltau

Traditionelle, frostharte Sorte mit grüngelbem Kopf. Besonders robust im Anbau und sehr gut für die Winterlagerung geeignet.

Marian

Mittelfrüh

Hoher Ertrag mit sehr gleichmäßiger Sortierung.

Resistent gegen: Kohlhernie, Echter Mehltau

Anfällig für: Rhizoctonia

Beliebte Sorte für den Frischmarkt mit gut geformten, geschmacklich hervorragenden Rüben. Zeigt eine gute Feldhaltbarkeit.

Gowrie

Mittelfrüh bis spät

Sehr hohes Ertragspotenzial unter optimalen Bedingungen.

Resistent gegen: Kohlhernie, Echter Mehltau

Anfällig für: Blattläuse

Moderne Züchtung mit hoher Widerstandskraft gegen ungünstige Witterungseinflüsse und sehr gutem Geschmack.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Herz- und Trockenfäule bei Kohlrüben effektiv minimieren?

Herz- und Trockenfäule wird primär durch Bormangel verursacht, der besonders auf leichten oder frisch gekalkten Böden sowie bei Trockenheit auftritt. Agronomen empfehlen eine präventive Bodenanalyse und bei Bedarf eine gezielte Blattdüngung mit Bor im BBCH-Stadium 14 bis 19 (Blattentwicklung), um die Versorgung während des intensiven Rübenwachstums sicherzustellen.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung der Kohlfliege (Delia radicum)?

Die kritischste Phase für den Befall durch die Kohlfliege liegt in den frühen BBCH-Stadien 10 bis 16 direkt nach dem Auflaufen oder Pflanzen. In diesem Zeitraum ist die mechanische Abdeckung mit Kulturschutznetzen (Maschenweite max. 1,35 mm) zwingend erforderlich, da chemische Pflanzenschutzmittel nach der Eiablage an den Wurzelhals kaum noch Wirkung zeigen.

Wie beeinflusst die Fruchtfolge das Auftreten von Sclerotinia-Fäule (Sclerotinia sclerotiorum) in der Kultur?

Da Sclerotinia sclerotiorum ein sehr breites Wirtsspektrum besitzt (u.a. Raps, Leguminosen, Sonnenblumen), muss ein Mindestabstand von 4 Jahren zu diesen Kulturen eingehalten werden. Der Anbau von Getreide oder Mais als Vorfrucht reduziert den Infektionsdruck im Boden signifikant, da diese Kulturen keine Wirte für den Pilz darstellen.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Fungizidbehandlung gegen Alternaria-Blattschwärze?

Eine Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sollte ab dem BBCH-Stadium 41 (Beginn der Rübenentwicklung) erfolgen, sobald erste Symptome an den älteren Blättern sichtbar werden und feucht-warme Witterung anhält. Die Einhaltung der gesetzlichen Wartezeit (PHI) von meist 14 bis 21 Tagen vor der geplanten Ernte ist dabei zwingend zu berücksichtigen.

Wie unterscheidet sich die Nährstoffdynamik von Kohlrüben im Vergleich zu anderen Kohlgewächsen?

Kohlrüben haben im Vergleich zu Kopfkohl einen moderaten Stickstoffbedarf (ca. 100–140 kg N/ha inkl. Nmin), benötigen jedoch eine sehr gleichmäßige Kaliumversorgung für die Festigkeit des Gewebes und die Lagerfähigkeit. Überdüngung mit Stickstoff führt zu schwammigem Gewebe, erhöhtem Befallsrisiko durch Rhizoctonia solani und mindert die Frosthärte im späten Herbst.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger in Kohlrüben auf agronomy.farmable.tech?

Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie gezielt nach der Kultur "Kohlrübe" (oder dem EPPO-Code BRSNA) sowie dem spezifischen Schaderreger. Achten Sie bei den angezeigten Anwendungen besonders auf die aktuellen BVL-Zulassungsnummern, die zugelassenen Aufwandmengen und die spezifischen Anwendungsbestimmungen für den Gemüsebau.