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Pilz

Graufäule (Botrytis cinerea)

Botrytis cinerea
BOTRCI

Graufäule oder Grauschimmel, verursacht durch den nekrotrophen Pilz Botrytis cinerea (EPPO-Code: BOTRCI), ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten und anpassungsfähigsten Schaderreger im weltweiten Garten-, Obst- und Weinbau. Der Pilz besitzt ein extrem breites Wirtsspektrum, das mehr als 1000 Pflanzenarten umfasst, darunter wirtschaftlich hochrelevante Kulturen wie Erdbeeren (Fragaria x ananassa), Weinreben (Vitis vinifera) sowie verschiedene Fruchtgemüse- und Beerenobstarten.

Die wirtschaftliche Relevanz von Botrytis cinerea ist enorm, da der Schaderreger sowohl Ertragsverluste im Feld als auch massive Nachernteschäden während der Lagerung und des Transports verursachen kann. Unter feucht-warmen Bedingungen breitet sich der Pilz rasant aus und kann unbehandelt zum Totalausfall ganzer Ernten führen. Besonders anfällig sind weiche Gewebe, Blüten und reifende Früchte, was eine gezielte und vorausschauende Pflanzenschutzstrategie unerlässlich macht.

Typ
Pilz
EPPO-Code
BOTRCI
Wirte
9 Kulturen
Generationen
Mehrere sich überlappende Zyklen pro Saison
Verbreitung
Weltweit in allen gemäßigten und subtropischen Klimazonen verbreitet; verursacht insbesondere in Regionen mit häufigen Niederschlägen während der Blüte- und Erntezeit massive wirtschaftliche Schäden.
Erstbeschreibung
Persoon, 1794

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überdauert ungünstige Witterungsperioden als widerstandsfähiges Sklerotium im Boden oder auf Pflanzenresten sowie als Myzel in abgestorbenem Gewebe. Im Frühjahr keimen diese Überdauerungsorgane aus und bilden Konidienträger, die bei hoher Luftfeuchtigkeit Unmengen an Konidien freisetzen. Diese Sporen werden durch Wind, Regen oder mechanische Erschütterungen in den Kulturen verbreitet und infizieren primär geschwächtes Gewebe, Blütenorgane oder Mikrowunden. Nach der erfolgreichen Infektion breitet sich das Myzel rasant aus, tötet das Wirtsgewebe ab und bildet innerhalb weniger Tage einen neuen, grauen Sporenrasen, der für sekundäre Infektionszyklen sorgt.

Bonitur

Eine regelmäßige Befallskontrolle ist ab den frühen Entwicklungsstadien der Kulturen entscheidend. Im Weinbau liegt der Fokus auf der Blüte (BBCH 61–69) und dem Traubenschluss (BBCH 77–79), während bei Erdbeeren die Hauptblütezeit (BBCH 61–65) die kritischste Phase für Infektionen darstellt. Da Infektionen oft latent verlaufen, solltest du die Bestände bei feucht-warmer Witterung (Temperaturen zwischen 15 und 23 °C und Blattnässe von mehr als 15 Stunden) engmaschig kontrollieren. Schadschwellen sind kulturabhängig; im Weinbau wird eine Behandlung oft präventiv vor dem Traubenschluss durchgeführt, um den Erreger im Inneren der Gescheine zu erfassen.

Symptome

Das markanteste Symptom ist der namensgebende, dichte, graubraune, staubende Sporenrasen auf den infizierten Pflanzenteilen. An Blättern zeigen sich zunächst v-förmige, hellbraune, nekrotische Flecken, die oft vom Blattrand ausgehen. Blüten verbräunen und sterben vorzeitig ab, was besonders bei Erdbeeren zu erheblichen Ertragseinbußen führt. Befallene Früchte und Beeren weisen zunächst weiche, wässrige, braune Faulstellen auf, die rasch einschrumpfen und schließlich vollständig vom grauen Pilzrasen überzogen werden. Unter trockenen Bedingungen können infizierte Traubenbeeren einschrumpfen und eintrocknen (Edelfäule).

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management basiert auf einer integrierten Strategie, die kulturtechnische Maßnahmen in den Vordergrund stellt. Dazu gehören eine weite Pflanzung und ein optimaler Schnitt zur Förderung einer schnellen Abtrocknung der Kulturen sowie eine ausgewogene Stickstoffdüngung zur Vermeidung von mastigem Gewebe. Biologische Pflanzenschutzmittel auf Basis von *Bacillus amyloliquefaciens* oder Hefen können präventiv eingesetzt werden, um Infektionswege zu blockieren. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist ein striktes Resistenzmanagement nach den Vorgaben des FRAC (Fungicide Resistance Action Committee) zwingend erforderlich; Wirkstoffgruppen müssen konsequent rotiert werden, um die Entstehung von Resistenzen zu verhindern.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kann ich im agronomy.farmable.tech Hub gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Graufäule finden?

Du kannst im Hub über die Produktsuche gezielt nach dem Schaderreger "Botrytis cinerea" filtern. Achte darauf, deine spezifische Kultur auszuwählen, um nur die für dich aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit den entsprechenden Aufwandmengen, Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.

Warum ist eine Behandlung während der Blüte (BBCH 61–69) bei Erdbeeren so entscheidend, obwohl Symptome erst an der reifen Frucht sichtbar werden?

Der Pilz infiziert bevorzugt die absterbenden Blütenblätter und Staubfäden. Er verbleibt dort zunächst in einer Ruhephase (latente Infektion), ohne sichtbare Symptome zu verursachen. Erst mit zunehmender Fruchtreife und steigendem Zuckergehalt wird der Erreger aktiv und bringt die Frucht von innen heraus zum Faulen – eine spätere Behandlung ist dann meist wirkungslos.

Wie vermeide ich am besten Resistenzen gegen Botryzide in meinen Kulturen?

Du solltest die FRAC-Richtlinien strikt einhalten. Das bedeutet: Limitiere die Anzahl der Anwendungen pro Saison je Wirkstoffklasse (z. B. SDHI oder Fenhexamid) und wechsle systematisch zwischen verschiedenen Wirkmechanismen. Nutze zudem biologische Präparate in Phasen mit geringerem Infektionsdruck, um den Selektionsdruck zu senken.

Welche Rolle spielt die Laubarbeit im Weinbau bei der Regulierung von Botrytis?

Eine gezielte Entblätterung der Traubenzone (BBCH 73–75) sorgt dafür, dass die Trauben nach Regenfällen extrem schnell abtrocknen und Pflanzenschutzmittel die Beeren besser benetzen können. Dadurch entziehst du den Sporen die für die Keimung notwendige Feuchtigkeit und reduzierst das Infektionsrisiko drastisch.

Kann Botrytis cinerea auch nach der Ernte im Kühllager noch Schäden anrichten?

Ja, der Pilz ist extrem kältetolerant und kann selbst bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt (0 bis 2 °C) langsam weiterwachsen. Bereits im Feld infizierte, aber symptomfreie Früchte können im Lager das sogenannte "Nestfäule"-Phänomen auslösen, bei dem sich der Erreger von Frucht zu Frucht ausbreitet.