Kopfkohle (Weiß-, Rot-, Spitz-, Rosen- und Wirsingkohl)
Die BVL-Kulturgruppe „Kopfkohle (Weiß-, Rot-, Spitz-, Rosen- und Wirsingkohl)“ mit dem Gruppencode NNNKK fasst wichtige zweijährige Kreuzblütler (Brassicaceae) zusammen, die im professionellen Feldgemüsebau eine zentrale Rolle spielen. Zu dieser Gruppe gehören der klassische Kopfkohl (umfassend Rot-, Weiß-, Spitz- und Wirsingkohl) sowie der Rosenkohl. Botanisch und morphologisch teilen diese Kulturen eine enge Verwandtschaft, was sich in sehr ähnlichen Wachstumsabläufen, Nährstoffansprüchen und physiologischen Merkmalen widerspiegelt.
Aus Sicht des Pflanzenschutzes ist diese Zusammenfassung äußerst praxisrelevant. Da die Kulturen dieser Gruppe von denselben Schaderregern befallen werden und eine vergleichbare Toleranz gegenüber Wirkstoffen aufweisen, bündelt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Zulassungen für Pflanzenschutzmittel häufig für die gesamte Gruppe. Dies vereinfacht die Zulassungsverfahren und gibt dir als Betriebsleiter eine verlässliche rechtliche Basis für den flexiblen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln über verschiedene Kohlarten hinweg.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Der integrierte Pflanzenschutz bei Kopfkohlen erfordert eine enge Überwachung, da die Kulturen während ihrer oft langen Standzeit erheblichem Druck durch Schaderreger ausgesetzt sind. Zu den wichtigsten pilzlichen Erregern gehören Alternaria brassicae (Schwärze), Rhizoctonia solani und Botrytis cinerea, während tierische Schädlinge wie die Kohlfliege (Delia radicum), die Kohlschabe (Plutella xylostella) sowie verschiedene Blattlausarten (Brevicoryne brassicae, Myzus persicae) regelmäßige Kontrollen verlangen. Ein konsequentes Monitoring mittels Gelbschalen und Schadschwellenbestimmung ist unerlässlich, um den optimalen Behandlungszeitpunkt zu ermitteln und Nützlinge zu schonen. Da viele Anwendungen für die gesamte Kulturgruppe zugelassen sind, musst du bei der Applikation besonders auf ein aktives Resistenzmanagement achten. Der wiederholte Einsatz von Wirkstoffen mit demselben Wirkmechanismus führt schnell zu Selektionseffekten, insbesondere bei saugenden Insekten und pilzlichen Erregern. Nutze daher konsequent den Wechsel von Wirkstoffklassen gemäß den Vorgaben von FRAC (Fungizide) und IRAC (Insektizide). Achte zudem auf eine ausreichende Benetzung der oft stark wachshaltigen Blattoberflächen, um die biologische Wirksamkeit der Pflanzenschutzmittel voll auszuschöpfen.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kann ich den optimalen Behandlungszeitpunkt gegen die Kohlfliege (Delia radicum) bei Kopfkohlen bestimmen?
Nutze zur Überwachung der Eiablage vor allem Eiablagedepots oder kontrolliere die Pflanzenbasis direkt nach dem Pflanzen. Da die Larven der Kohlfliege die Wurzeln schädigen, ist eine Behandlung nach dem Einbohren kaum noch wirksam. Setze Pflanzenschutzmittel daher präventiv oder direkt zu Beginn des Hauptfluges der ersten Generation ein, um die jungen Larven vor dem Eindringen ins Gewebe zu erfassen.
Warum ist das BBCH-Stadium bei der Anwendung von Fungiziden gegen Alternaria brassicae so entscheidend?
Die Anfälligkeit für die Kohlschwärze (Alternaria) steigt mit zunehmendem Alter der Blätter und der Kopfbildung (ab BBCH 41). Eine zu späte Behandlung kurz vor der Ernte ist aufgrund einzuhaltender Wartezeiten oft nicht mehr möglich. Beginne mit dem Monitoring frühzeitig vor dem Reihenschluss, um Infektionsherde in den unteren Blattetagen zu unterbinden, bevor sich der Kopf schließt.
Wie vermeide ich Resistenzen bei der Bekämpfung der Kohlschabe (Plutella xylostella)?
Die Kohlschabe neigt extrem schnell zur Resistenzbildung. Du solltest Insektizide streng nach den IRAC-Richtlinien rotieren und Wirkstoffe aus derselben Gruppe nicht blockweise hintereinander spritzen. Nutze stattdessen Fraßgifte und nützlingsschonende Präparate im Wechsel und halte dich strikt an die maximal ausgewiesenen Anwendungen pro Saison.
Was muss ich bei der Applikation von Pflanzenschutzmitteln auf den stark wachshaltigen Blättern von Kopfkohl beachten?
Kohlblätter besitzen eine ausgeprägte Cuticula mit einer dicken Wachsschicht, von der Spritzbrühe leicht abperlt. Um eine ausreichende Benetzung und Wirkstoffaufnahme zu garantieren, ist der Zusatz eines zugelassenen Netzmittels (Adjuvans) oft ratsam. Achte zudem auf eine feine bis mittelfeine Tropfenapplikation und passe den Spritzdruck so an, dass auch die Blattunterseiten und das Herz der Kultur benetzt werden.
Wie finde ich im Agronomy-Hub heraus, ob ein Pflanzenschutzmittel für alle Kopfkohle oder nur für einzelne Kulturen zugelassen ist?
Achte in der Produktübersicht auf die genaue Zulassungsbezeichnung. Wenn ein Mittel für die übergeordnete Kulturgruppe „Kopfkohle“ (NNNKK) registriert ist, darfst du es auf allen Mitgliedern wie Weiß-, Rot-, Spitz-, Rosen- und Wirsingkohl anwenden. Ist das Mittel nur für „Kopfkohl“ (NNNKO) zugelassen, ist die Anwendung auf Rosenkohl (BRSOF) rechtlich ausgeschlossen.
Welche pflanzenbaulichen Maßnahmen unterstützen den Pflanzenschutz in dieser Kulturgruppe?
Eine weite Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen Kreuzblütlern ist die wichtigste Basis, um bodenbürtige Schaderreger wie Rhizoctonia solani oder Fusarium oxysporum zu reduzieren. Zudem hilft eine ausgewogene, nicht überzogene Stickstoffdüngung, das Gewebe fest zu halten, was den Befall durch saugende Schädlinge wie die Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) spürbar mindert.