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Kultur

Möhre

Daucus carota subsp. sativus
DAUCS

Die Karotte (Daucus carota subsp. sativus, EPPO-Code: DAUCS) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Gemüsekulturen im mitteleuropäischen Freilandanbau. Als zweijährige Kultur aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) wird sie im Erwerbsanbau einjährig zur Nutzung der verdickten Pfahlwurzel kultiviert. Die Nachfrage erstreckt sich über das gesamte Jahr, weshalb der Anbau in verschiedene Marktsegmente wie Bundmöhren, Waschmöhren und Lagermöhren unterteilt ist, die jeweils spezifische Anforderungen an Aussaatzeitpunkt und Sortenwahl stellen.

Für einen erfolgreichen Anbau sind eine präzise Bestandesführung und die genaue Kenntnis der Entwicklungsstadien entscheidend. Da die Kultur in der Jugendphase eine langsame Jugendentwicklung aufweist, ist sie besonders konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern und Ungräsern. Zudem stellen bodenbürtige Schaderreger sowie tierische Schädlinge wie die Möhrenfliege hohe Anforderungen an das integrierte Pflanzenschutzmanagement und die Fruchtfolgegestaltung.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Juni
Erntefenster
Juni bis November
Reihenabstand
35–45 cm
Typischer Ertrag
40–80 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1600 °Cd
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Karotten stellen hohe Ansprüche an die physikalische Bodenbeschaffenheit und gedeihen am besten auf tiefgründigen, steinfreien Sand- bis lehmigen Sandböden. Zur Vermeidung von Beinigkeit und Wurzeldeformationen ist eine sorgfältige, tiefgründige Bodenbearbeitung ohne Verdichtungen zwingend erforderlich. Der Anbau erfolgt im professionellen Erwerbsanbau überwiegend auf Dämmen (meist 75 cm Spurbreite), was die Erwärmung des Bodens fördert, den Wasserabzug verbessert und die Ernte erleichtert. Eine ausgeglichene Humusversorgung ist wichtig, allerdings darf frischer Wirtschaftsdünger wegen der Gefahr von Qualitätsminderungen und erhöhtem Schädlingsdruck nicht direkt zur Kultur gegeben werden. Die Beregnung muss insbesondere während der Keimphase und der Hauptwachstumsphase der Wurzel (BBCH 41–48) gleichmäßig erfolgen, um ein Aufplatzen der Rüben zu verhindern.

Schaderreger-Management

Das Pflanzenschutzmanagement bei Karotten erfordert aufgrund der langsamen Jugendentwicklung eine konsequente Unkrautregulierung ab der Aussaat. Gegen Ungräser wie Elymus repens und einjährige Unkräuter kommen sowohl mechanische Verfahren als auch gezielte Herbizid-Anwendungen im Vor- und Nachauflauf zum Einsatz. Unter den Pilzkrankheiten erfordern Sclerotinia sclerotiorum (Sclerotinia-Fäule) und Rhizoctonia solani eine weite Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren sowie eine optimierte Bestandsbelüftung. Der wichtigste tierische Schaderreger ist die Möhrenfliege (Chamaepsila rosae), deren Überwachung mittels Gelbtafeln erfolgt und die bei Überschreiten der Schadschwelle mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln oder durch den Einsatz von Kulturschutznetzen reguliert wird. Ein integrierter Ansatz, der Sortenresistenz, Fruchtfolge und gezielte chemische oder biologische Behandlungen kombiniert, sichert die Ertrags- und Lagerqualität.

Sorten

Bolero (F1)

Mittelfrüh bis spät (ca. 130 Tage)

Sehr hoher und stabiler Ertrag mit hohem Anteil an erstklassiger Ware.

Resistent gegen: Alternaria dauci, Echter Mehltau, Cavity Spot

Anfällig für: Möhrenfliege

Sehr bewährte Nantaise-Sorte für den Wasch- und Lagermöhrenanbau mit hervorragender Lagereignung und robustem Laub.

Maestro (F1)

Mittelfrüh (ca. 120 Tage)

Hoher Ertrag mit sehr gleichmäßiger Sortierung.

Resistent gegen: Alternaria dauci, Echter Mehltau, Cavity Spot, Xanthomonas

Anfällig für: Sclerotinia-Fäule

Sehr glatte, zylindrische Nantaise-Möhre, ideal für die Aufbereitung und den Frischmarkt. Zeichnet sich durch hohe Bruchtoleranz bei der maschinellen Ernte aus.

Nerac (F1)

Spät (ca. 140 Tage)

Hervorragendes Ertragspotenzial im späten Segment.

Resistent gegen: Alternaria dauci, Echter Mehltau, Cavity Spot

Anfällig für: Rhizoctonia solani

Die Referenzsorte für die Langzeitlagerung. Sehr frosthart, kann lange im Boden verbleiben und lässt sich hervorragend maschinell ernten.

Laguna (F1)

Früh (ca. 90–100 Tage)

Hoher Frühertrag mit rascher Ausfärbung.

Resistent gegen: Cavity Spot

Anfällig für: Alternaria dauci, Echter Mehltau

Hervorragende Sorte für den frühen Bund- und Waschmöhrenanbau. Schnelle Entwicklung und schönes, stabiles Laub für die Bündelung.

Rothild

Mittelfrüh bis spät (ca. 130–140 Tage)

Mittlerer bis hoher Ertrag, neigt bei Überreife zu leichter Beinigkeit.

Anfällig für: Alternaria dauci, Möhrenfliege

Samenfeste, bewährte Sorte mit kräftigem, aromatischem Geschmack und hohem Karotingehalt. Besonders im ökologischen Anbau und für die Saftgewinnung geschätzt.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich der optimale Erntezeitpunkt für Lagermöhren anhand der BBCH-Stadien bestimmen?

Der optimale Erntezeitpunkt für Lagermöhren liegt im BBCH-Stadium 49 (Erreichen des typischen Rübenumfangs). Zu diesem Zeitpunkt hat die Rübe ihre maximale Festigkeit und Zuckerakkumulation erreicht, was für die Lagerstabilität entscheidend ist. Ein zu spätes Ernten erhöht das Risiko von Frostschäden im Feld und fördert den Befall mit Lagerfäulen.

Welche Rolle spielt die Überwachung der Möhrenfliege (Chamaepsila rosae) mittels Gelbtafeln im integrierten Pflanzenschutz?

Gelbe Leimtafeln werden ab Ende April bis Anfang Mai an den Feldrändern aufgestellt, um den Flug der ersten Generation zu überwachen. Die Schadschwelle liegt im Erwerbsanbau bei durchschnittlich 0,5 bis 1 Fliege pro Gelbtafel und Woche. Erst bei Überschreiten dieser Schwelle ist eine gezielte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll.

Wie kann das Risiko von Herbizid-Resistenzen bei der Bekämpfung von einjährigen Unkräutern minimiert werden?

Da im Karottenanbau nur eine begrenzte Anzahl an Wirkstoffen zur Verfügung steht, ist ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen HRAC-Klassen (z. B. Metribuzin und Aclonifen) zwingend erforderlich. Zudem sollte die chemische Unkrautbekämpfung durch mechanische Maßnahmen wie das Blindstriegeln vor dem Auflaufen (BBCH 00 bis 09) und das Hacken zwischen den Dämmen im Nachauflauf ergänzt werden.

Warum ist die Regulierung von Rhizoctonia solani im Möhrenanbau besonders anspruchsvoll und welche vorbeugenden Maßnahmen helfen?

Rhizoctonia solani ist ein bodenbürtiger Pilz mit einem extrem breiten Wirtspflanzenspektrum, der im Boden Dauergewebe (Sklerotien) bildet. Da chemische Pflanzenschutzmittel nur eine begrenzte Wirkung zeigen, müssen vorbeugende Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge (keine Kartoffeln oder Leguminosen als Vorfrüchte) und die konsequente Vermeidung von Bodenverdichtungen umgesetzt werden.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Sclerotinia-Fäule?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub der Plattform und filtern Sie nach der Kultur 'Möhre' (DAUCS) und dem Schaderreger 'Sclerotinia-Fäule' (SCLESC). Dort werden Ihnen alle in Deutschland aktuell zugelassenen Fungizide inklusive Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und den gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeiten angezeigt.

Welchen Einfluss hat die Stickstoffdüngung auf die Anfälligkeit gegenüber Schaderregern und die Lagerfähigkeit?

Eine überhöhte oder zu späte Stickstoffgabe führt zu mastigem Laubwachstum, was das Mikroklima im Bestand feuchter hält und Infektionen durch Alternaria dauci und Echten Mehltau begünstigt. Zudem sinkt die Gewebefestigkeit der Rüben, wodurch sie während der Lagerung anfälliger für Wundparasiten und Fäulniserreger werden.