Kopfkohl (Rot-, Weiß-, Spitz- und Wirsingkohl)
Die BVL-Kultur-Gruppe „Kopfkohl (Rot-, Weiß-, Spitz- und Wirsingkohl)“ mit dem Gruppencode NNNKO fasst die wichtigsten kopfbildenden Kohlarten der botanischen Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) zusammen. Zu dieser Gruppe gehören die wirtschaftlich bedeutenden Kulturen Rotkohl, Weißkohl, Spitzkohl und Wirsing. Da diese Kulturen sehr eng miteinander verwandt sind, teilen sie nicht nur botanische Merkmale, sondern weisen auch eine nahezu identische Morphologie, vergleichbare Wachstumsphasen und sehr ähnliche Ansprüche an Boden und Klima auf.
Aus Sicht des Pflanzenschutzes ist diese Zusammenfassung äußerst praxisrelevant. Da die Kulturen von denselben Schaderregern bedroht werden, ermöglicht die Gruppierung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eine vereinfachte Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Eine für die Gruppe „Kopfkohl“ erteilte Zulassung gilt automatisch für alle vier enthaltenen Kulturen, was die Betriebsplanung vereinfacht und wichtige Indikationslücken schließt.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Der integrierte Pflanzenschutz im Kopfkohlanbau erfordert eine enge Abstimmung von mechanischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Zu den größten Herausforderungen im Anbau gehören bodenbürtige Pilze wie Rhizoctonia solani und Fusarium oxysporum sowie Blattpathogene wie Alternaria brassicae. Ein konsequenter Fruchtwechsel mit einer Anbaupause von mindestens vier bis fünf Jahren zu anderen Kreuzblütlern ist die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Gegen tierische Schaderreger wie die Kleine Kohlfliege (Delia radicum) hat sich zudem der Einsatz von Kulturschutznetzen direkt nach dem Pflanzen als mechanische Barriere bewährt. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist ein striktes Resistenzmanagement nach den Vorgaben von FRAC, IRAC und HRAC zwingend erforderlich. Da Kopfkohl oft eine lange Standzeit aufweist und mehrfache Behandlungen notwendig sein können, müssen die Wirkstoffklassen konsequent rotiert werden. Dies gilt sowohl für Fungizide zur Bekämpfung von Blattfleckenkrankheiten als auch für Herbizide gegen Leitunkräuter wie Senecio vulgaris oder Ungräser wie Echinochloa crus-galli und Poa annua. Achte stets auf die spezifischen Auflagen zur Wartezeit und die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Saison.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Gilt eine Zulassung für „Kopfkohl“ automatisch für alle vier Kohlarten?
Ja, wenn ein Pflanzenschutzmittel vom BVL explizit für die Gruppe „Kopfkohl“ (NNNKO) zugelassen ist, darfst du es auf Rotkohl, Weißkohl, Spitzkohl und Wirsing anwenden. Achte jedoch genau auf das Etikett und die Gebrauchsanleitung: In seltenen Fällen können einzelne Kulturen aufgrund von spezifischen Unverträglichkeiten oder Rückstandsvorgaben von der Anwendung ausgeschlossen sein.
Wann ist der kritische Zeitpunkt für die Bekämpfung der Kleinen Kohlfliege (Delia radicum)?
Die kritische Phase beginnt direkt nach dem Auspflanzen im Frühjahr, meist ab dem BBCH-Stadium 12 bis 14. Nutze Gelbschalen zur Überwachung des Zuflugs der ersten Generation. Sobald der Schwellenwert überschritten ist, solltest du mechanische Schutznetze auflegen oder eine gezielte Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln durchführen, um die Eiablage am Wurzelhals zu verhindern.
Wie vermeidest du Resistenzen bei der Bekämpfung von Alternaria-Blattflecken?
Um Wirkstoffresistenzen (FRAC) vorzubeugen, solltest du systemische Fungizide (wie SDHI oder Strobilurine) immer im Wechsel mit Kontaktfungiziden aus anderen Wirkstoffklassen einsetzen. Halte dich strikt an die maximalen Anwendungshäufigkeiten pro Saison und kombiniere chemische Maßnahmen mit vorbeugender Feldhygiene, wie dem tiefen Unterpflügen von Ernterückständen.
Was musst du bei der Herbizidstrategie gegen Ungräser wie die Hühnerhirse beachten?
Gegen Ungräser wie Echinochloa crus-galli oder Poa annua stehen dir selektive Graminizide (HRAC-Gruppe 1/A) zur Verfügung. Da diese Wirkstoffe stark selektiv wirken, solltest du sie frühzeitig im Nachauflauf anwenden, wenn die Ungräser aktiv wachsen (BBCH-Stadium 12 bis 29). Rotiere die Wirkstoffe mit Bodenherbiziden im Vorauflauf, um eine Selektion resistenter Biotypen zu verhindern.
Welche Rolle spielt die Wachsschicht der Kohlblätter bei der Applikation?
Kopfkohl bildet eine ausgeprägte, wasserabweisende Wachsschicht aus. Um eine optimale Benetzung und Haftung der Pflanzenschutzmittel zu gewährleisten – besonders bei Fungizidbehandlungen ab Beginn der Kopfbildung (BBCH-Stadium 41) –, ist der Zusatz eines zugelassenen Netzmittels oft ratsam. Achte darauf, die Applikation nicht in der prallen Mittagssonne durchzuführen, um Verbrennungen auf dem Blatt zu vermeiden.
Wie gehst du mit bodenbürtigen Erregern wie Fusarium oxysporum im Kopfkohlanbau um?
Da gegen Fusarium oxysporum (Fusarium-Welke) nach dem Pflanzen keine direkt wirksamen chemischen Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen, musst du rein präventiv handeln. Wähle für gefährdete Flächen tolerante oder resistente Sorten, halte weite Fruchtfolgen ein und vermeide Staunässe sowie Bodenverdichtungen, da diese die Wurzeln schwächen und den Pilzeintritt begünstigen.