Speiserüben (Stoppelrübe, Mairübe etc.)
Brassica rapa (EPPO-Code: BRSRR) ist eine äußerst vielseitige Kultur, die im mitteleuropäischen Raum in verschiedenen Unterarten sowohl als Gemüse (z. B. Mairübe, Stoppelrübe, Teltower Rübchen) als auch als Zwischenfrucht oder Ölsaat (Rübsen) angebaut wird. Die Kultur zeichnet sich durch eine sehr kurze Entwicklungszeit aus, was sie zu einem idealen Glied in engen Fruchtfolgen macht. Besonders als Zweitfrucht nach Getreide nutzen landwirtschaftliche Betriebe die Stoppelrübe zur Futtergewinnung oder Gründüngung.
Botanisch gehört die Kultur zu den Kreuzblütlern (Brassicaceae), was bei der Fruchtfolgegestaltung zwingend berücksichtigt werden muss. Ein Mindestabstand von drei bis vier Jahren zu anderen Brassicaceen wie Raps, Senf oder Kohl ist einzuhalten, um die Verschleppung von bodenbürtigen Schaderregern zu verhindern. Die rasche Jugendentwicklung sorgt für eine schnelle Bodenbedeckung, wodurch Unkräuter effektiv unterdrückt und die Bodenstruktur geschützt werden.
Bodenmanagement
Die Kultur stellt moderate Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch tiefgründige, humose Lehmböden mit guter Wasserführung. Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist besonders während der Rübenentwicklung entscheidend, um ein Verholzen oder einen scharfen Geschmack der Rüben zu verhindern. Zur Saatbettbereitung ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Bett erforderlich, um den feinen Samen einen optimalen Bodenschluss zu garantieren. Eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 80 bis 100 kg N/ha ist meist ausreichend, wobei Überdüngungen zu erhöhten Nitratgehalten und mangelnder Lagerfähigkeit führen. Organische Düngung sollte idealerweise zur Vorfrucht erfolgen, um den Befall mit der Kohlfliege nicht zusätzlich zu fördern.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz steht die Vorbeugung bodenbürtiger Schaderreger wie der Kohlhernie im Vordergrund, weshalb weite Fruchtfolgen zwingend einzuhalten sind. Gegen pilzliche Schaderreger wie Rhizoctonia solani oder Alternaria brassicae helfen eine optimierte Bestandsdichte und die Vermeidung von Staunässe. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln muss präzise auf die BBCH-Stadien abgestimmt werden, wobei insbesondere im frühen Stadium (BBCH 10–19) auf Erdflöhe geachtet werden muss. Gegen tierische Schädlinge wie die Kohlfliege oder Blattläuse können im Gemüsebau Kulturschutznetze als mechanische Barriere eingesetzt werden. Bei chemischen Anwendungen sind die spezifischen Zulassungen und die einzuhaltenden Wartezeiten für Speiserüben streng zu beachten.
Sorten
Teltower Rübchen
spätGeringer bis mittlerer Ertrag, aber hochpreisiges Nischenprodukt
Anfällig für: Kohlhernie, Kohlfliege
Traditionelle, kegelförmige Landsorte mit besonders intensivem, feinem Aroma.
Platte Weiße Mai
frühHoher Ertrag bei früher Aussaat
Anfällig für: Echter Mehltau, Kohlfliege
Sehr bewährte, flachrunde Mairübe mit weißer Schale und zartem Fleisch.
Goldball
mittelfrühStabiler, mittlerer Ertrag mit sehr guter Lagerfähigkeit
Anfällig für: Kohlhernie, Blattläuse
Gelbfleischige, kugelrunde Sorte mit mild-süßlichem Geschmack.
Schneeball
frühHoher Ertrag an gleichmäßigen, runden Rüben
Resistent gegen: Platzanfälligkeit
Anfällig für: Rhizoctonia solani, Erdflöhe
Reinweiße, schnellwüchsige Sorte, die sich hervorragend für den Frischmarkt eignet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko eines Befalls mit der Kohlfliege bei Brassica rapa ohne chemischen Pflanzenschutz minimieren?
Im professionellen Anbau von Speiserüben ist das lückenlose Auflegen von engmaschigen Kulturschutznetzen (Maschenweite maximal 1,35 mm) direkt nach der Saat die effektivste Maßnahme. Zudem sollte die Aussaat zeitlich so gesteuert werden, dass die empfindlichen Keimphasen nicht mit den Hauptflugzeiten der Kohlfliegengenerationen (meist Mai und August) zusammenfallen.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Herbizidmaßnahmen gegen Poa annua und Elymus repens?
Herbizidanwendungen gegen einkeimblättrige Unkräuter wie Poa annua oder Elymus repens sollten idealerweise im frühen Nachauflauf (BBCH 12 bis 14) erfolgen, wenn die Kultur bereits ausreichend etabliert, das Unkraut aber noch im aktiven Wachstum und empfindlich ist. Spätere Behandlungen bergen das Risiko von Phytotoxizität und müssen die gesetzlichen Wartezeiten bis zur Ernte berücksichtigen.
Warum ist eine harmonische Bor-Versorgung bei dieser Kultur von so großer Bedeutung?
Ein Bormangel führt bei Brassica rapa zur sogenannten Herz- und Trockenfäule, die sich durch glasige, braune Stellen im Rübenkörper äußert und die Ware unverkäuflich macht. Da Bor auf leichten oder kalkreichen Böden schnell festgelegt wird, empfiehlt sich bei akutem Bedarf eine gezielte Blattdüngung im BBCH-Stadium 14 bis 19.
Wie wirkt sich eine Infektion mit Rhizoctonia solani auf den Ernteertrag aus und wie wird sie im Feld diagnostiziert?
Rhizoctonia solani verursacht die sogenannte Umfallkrankheit bei Keimlingen sowie die späte Rübenfäule. Im Feld äußert sich der Befall durch eingesunkene, braunschwarze Flecken an der Rübenbasis und Welkeerscheinungen der Blätter; eine direkte Bekämpfung im stehenden Bestand ist nicht möglich, weshalb weite Fruchtfolgen und die Vermeidung von Bodenverdichtungen essenziell sind.
Wie finde ich im Online-Portal schnell die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel für Speiserüben?
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