Meerrettich
Der Echte Meerrettich (Armoracia rusticana, EPPO-Code: ARWLA), im süddeutschen Raum und in Österreich auch als Kren bekannt, ist eine ausdauernde, winterharte Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Im professionellen Erwerbsanbau wird die Kultur als einjährige Pflanzung geführt, wobei die Vermehrung vegetativ über dünne Seitenwurzeln (sogenannte Fechser) erfolgt. Die Kultur stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und verlangt eine intensive Pflege, insbesondere das manuelle Heben und Entfernen der oberen Seitenwurzeln im Sommer, um glatte, dicke Hauptwurzeln für die Vermarktung zu erzielen.
Wirtschaftlich bedeutend ist der Anbau vor allem in traditionellen Regionen wie Franken (Baiersdorf), dem Spreewald sowie in der Steiermark. Die Ernte der wertvollen Pfahlwurzeln erfolgt im Spätherbst nach dem Einziehen des Laubes oder im zeitigen Frühjahr vor dem Neuaustrieb. Aufgrund der langen Feldphase und des dichten Blattbaldachins im Sommer erfordert die Kultur ein präzises Management von Unkräutern und pilzlichen Schaderregern, um Ertrag und Qualität zu sichern.
Bodenmanagement
Der Anbau von Meerrettich erfordert tiefgründige, steinfreie und gut durchlüftete Böden, vorzugsweise sandige Lehme oder humose Schwemmlandböden, um eine gerade Wurzelentwicklung ohne Verzweigungen zu ermöglichen. Eine sorgfältige Herbstfurche ist unerlässlich, um den Boden tief zu lockern und organische Dünger gut einzuarbeiten. Da die Kultur sehr nährstoffbedürftig ist, muss die Stickstoffversorgung präzise aufgeteilt werden, um ein übermäßiges Krautwachstum zu Lasten der Wurzelqualität zu vermeiden. Eine gleichmäßige Wasserversorgung, insbesondere während des Hauptdickenwachstums der Wurzeln ab August, verhindert das Verholzen und Rissigwerden des Ernteguts. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden, da sie die Entstehung von Wurzelfäulen drastisch begünstigt.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz steht die Gesunderhaltung des Laubapparates und der Wurzel im Vordergrund, wobei pilzliche Schaderreger wie Alternaria brassicae (Alternaria-Blattbräune) und Sclerotinia sclerotiorum (Sclerotinia-Fäule) erhebliche Ertragseinbußen verursachen können. Ein konsequentes Monitoring ab dem Reihenschluss ist wichtig, um Behandlungen mit zugelassenen Fungiziden rechtzeitig vorzunehmen. Da Meerrettich im Frühjahr nur langsam aufläuft, ist die Unkrautregulierung in den ersten Entwicklungsphasen kritisch; hier kommen sowohl mechanische Verfahren als auch selektive Herbizide gegen Problemunkräuter wie Elymus repens, Poa annua und Chenopodium album zum Einsatz. Zudem muss auf tierische Schädlinge wie den Meerretticherdfloh geachtet werden, dessen Fraßschäden das junge Laub schwächen. Ein weiter Fruchtwechsel von mindestens vier Jahren zu anderen Kreuzblütlern ist die wichtigste präventive Maßnahme zur Gesunderhaltung der Kultur.
Sorten
Spreewälder
SpätGleichmäßiger, hoher Ertrag unter guten Bodenbedingungen.
Anfällig für: Alternaria-Blattbräune
Traditionelle Herkunftsauslese mit intensivem Aroma, gutem, geradem Wuchs und hoher Festigkeit.
Baiersdorfer
MittelspätSehr ertragreich und bewährt im professionellen Anbau.
Anfällig für: Sclerotinia-Fäule
Sehr bewährte Selektion aus dem fränkischen Anbaugebiet mit hoher Festigkeit und ausgeprägter Schärfe.
Steirischer Kren
SpätHoher Ertrag an erstklassigen A-Waren-Stangen.
Anfällig für: Wurzelfäule
Selektion mit hervorragender Würzkraft, feiner Faserung und exzellenter Lagerfähigkeit nach der Ernte.
Dänische Riesen
MittelfrühSehr hohes Ertragspotenzial bei ausreichender Wasserversorgung.
Anfällig für: Alternaria-Blattbräune
Wüchsige Sorte mit dicken, glatten Pfahlwurzeln, die sich gut für den großflächigen Anbau eignet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Vermehrung von Meerrettich von anderen Gemüsekulturen?
Meerrettich wird im Erwerbsanbau fast ausschließlich vegetativ über sogenannte Fechser (Seitenwurzeln) vermehrt, da die Kultur kaum keimfähige Samen bildet. Diese Fechser werden bei der herbstlichen Ernte gewonnen, über den Winter kühl gelagert und im folgenden Frühjahr schräg in den Boden eingelegt.
Warum müssen Meerrettichwurzeln im Sommer manuell gehoben und geköpft werden?
Das sogenannte Heben im Juni oder Juli ist ein arbeitsintensiver, aber entscheidender Schritt: Die Wurzeln werden vorsichtig freigelegt, um die oberen Seitenwurzeln abzureißen oder wegzuschneiden. Dadurch wird das Dickenwachstum auf die Hauptpfahlwurzel konzentriert, was zu glatten, dicken und marktfähigen Stangen führt.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung von Problemunkräutern wie der Quecke?
Da Meerrettich nach dem Pflanzen der Fechser relativ langsam austreibt (BBCH-Stadium 00 bis 09), ist die Kultur in dieser Phase extrem konkurrenzschwach. Herbizidanwendungen gegen einkeimblättrige Schaderreger wie Elymus repens (Quecke) sollten idealerweise im frühen Nachauflauf (BBCH-Stadium 12 bis 15) erfolgen, bevor das dichte Laubdach der Kultur den Boden abschirmt.
Wie lässt sich das Risiko von Sclerotinia-Fäule im professionellen Anbau minimieren?
Neben einer weiten Fruchtfolge (mindestens 4 Jahre Abstand zu Raps, Sonnenblumen oder Leguminosen) ist eine ausgewogene Stickstoffdüngung entscheidend, um ein zu mastiges Laubdach zu verhindern. Ein luftiger Stand und die Vermeidung von Staunässe reduzieren das feucht-warme Mikroklima im Bestand, welches die Sporenkeimung von Sclerotinia sclerotiorum begünstigt.
Wie finde ich im Pflanzenschutz-Hub zugelassene Mittel gegen Alternaria-Blattbräune?
Nutzen Sie die Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und wählen Sie die Kultur 'Meerrettich' sowie den Schaderreger 'Alternaria brassicae' aus. Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel besonders auf die ausgewiesenen Wartezeiten (PHI) und die maximal zulässigen Anwendungen pro Saison, um Rückstandshöchstmengen bei der späten Ernte nicht zu überschreiten.