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Kultur

Meerrettich

Armoracia rusticana
ARWLA

Der Echte Meerrettich (Armoracia rusticana, EPPO-Code: ARWLA), im süddeutschen Raum und in Österreich auch als Kren bekannt, ist eine ausdauernde, ausgesprochen winterharte Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Wirtschaftlich bedeutend ist vor allem der Anbau als einjährige Kultur zur Gewinnung der scharfen, pfahlförmigen Hauptwurzel. Die charakteristische Schärfe der Kultur resultiert aus der enzymatischen Spaltung von Senfölglucosiden bei einer Verletzung des Pflanzengewebes.

Da der kultivierte Meerrettich weitgehend steril ist, erfolgt die Vermehrung im professionellen Anbau ausschließlich vegetativ über sogenannte Fechser (Seitenwurzeln). Ein typisches Merkmal des intensiven Anbaus ist das manuelle Freilegen und „Heben“ der Wurzeln im Sommer. Dabei werden die Seitenknospen und -wurzeln entfernt, um das Dickenwachstum der Hauptwurzel gezielt zu fördern und eine glatte, marktfähige Ware zu erzielen.

Die Hauptanbaugebiete in Mitteleuropa liegen traditionell in spezialisierten Regionen wie dem fränkischen Baiersdorf, dem Spreewald und Teilen Badens. Aufgrund der langen Vegetationszeit und des extrem hohen Handarbeitsaufwands erfordert diese Kultur eine präzise agronomische Führung von der Pflanzgutvorbereitung im Winter bis zur späten Ernte im Spätherbst.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Pflanzung der Fechser)
Erntefenster
Oktober bis März (an frostfreien Tagen)
Reihenabstand
60–75 cm (Reihenabstand) x 30–35 cm (In-der-Reihe)
Typischer Ertrag
10–15 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2200
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Der Anbau von Meerrettich erfordert tiefgründige, lockere und gut durchlüftete Böden, vorzugsweise sandige Lehme oder humose Sandböden ohne Steine, um gerade, unverzweigte Wurzeln zu ermöglichen. Schwere, tonige Böden führen zu starker Verzweigung und erschweren die Ernte erheblich. Eine tiefe Bodenbearbeitung (z. B. durch Rigolen oder tiefes Pflügen im Herbst) ist essenziell, um eine lockere Krume für die Fechser zu schaffen. Die Kultur hat einen hohen Nährstoffbedarf, insbesondere an Kalium, das für die Festigkeit und Haltbarkeit der Wurzeln entscheidend ist. Eine ausgewogene Stickstoffdüngung ist wichtig, da ein Übermaß das Gewebe schwächt und die Anfälligkeit für Schaderreger erhöht. Organische Düngung sollte idealerweise zur Vorfrucht erfolgen, um das Risiko von Wurzelbrand und Schädlingen zu minimieren.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz des Meerrettichs steht die Gesunderhaltung des Laubapparates und der Wurzel im Vordergrund. Zu den wichtigsten pilzlichen Schaderregern gehören Alternaria brassicae (Schwärze) und der Weiße Rost (Albugo candida), die den photosynthetisch aktiven Blattapparat massiv schädigen können. Gegen Unkräuter wie Elymus repens (Gemeine Quecke) oder Poa annua (Einjähriges Rispengras) müssen frühzeitig mechanische und chemische Maßnahmen kombiniert werden, da die Kultur in der Jugendphase sehr konkurrenzschwach ist. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bekämpfung von tierischen Schädlingen wie dem Erdfloh oder der Meerrettichblattwespe, deren Fraßschäden das Wachstum hemmen. Da nur wenige Pflanzenschutzmittel für diese Spezialkultur zugelassen sind, spielen vorbeugende Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge und die Verwendung von gesundem, zertifiziertem Pflanzgut eine entscheidende Rolle.

Sorten

Baiersdorfer

mittelspät

Sehr ertragreich mit hohem Anteil an erstklassiger Marktware.

Resistent gegen: Wurzelfäule

Anfällig für: Weißrost, Alternaria-Blattbräune

Die Standardsorte im fränkischen Anbaugebiet. Zeichnet sich durch eine ausgeprägte Schärfe und eine gleichmäßige, zylindrische Wurzelform aus.

Spreewälder

spät

Gute, stabile Erträge bei hoher Homogenität der Fechser.

Anfällig für: Verticillium-Welke, Erdfloh

Traditionelle Selektion aus dem Spreewald. Sehr feines, intensives Aroma und hervorragend für die industrielle Verarbeitung geeignet.

Erfurter

mittelfrüh

Hohes Ertragspotenzial unter optimalen Bewässerungsbedingungen.

Resistent gegen: Weißrost

Anfällig für: Sclerotinia-Fäule

Wüchsige Sorte mit starkem Laubwerk. Bildet kräftige Hauptwurzeln, verlangt jedoch eine sehr sorgfältige Pflege beim Köpfen.

Badischer

mittelspät

Konstanter Ertrag mit sehr glatten, optisch ansprechenden Stangen.

Anfällig für: Alternaria brassicae, Wurzelbrand

Besonders im süddeutschen Raum verbreitet. Bevorzugt mildere Lagen und liefert hervorragende Qualitäten für den Frischmarkt.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Warum ist das manuelle „Heben“ der Wurzeln im Sommer für deinen Ertrag entscheidend?

Beim Heben (meist im Juni oder Juli) legst du den oberen Teil der Wurzel vorsichtig frei, brichst die seitlichen Triebe sowie Nebenwurzeln ab und bedeckst sie wieder mit Erde. Dadurch verhinderst du, dass die Kultur Energie in dünne Nebenwurzeln investiert. Die gesamte Wuchskraft konzentriert sich auf die Hauptwurzel, was dir dicke, gerade Stangen in bester Marktqualität sichert.

Wie lagerst du die Fechser bis zur Pflanzung im Frühjahr optimal?

Die bei der herbstlichen Ernte gewonnenen Fechser (Seitenwurzeln) musst du kühl und feucht lagern, um ein vorzeitiges Austrocknen oder Austreiben zu verhindern. Ideal ist das Einschlagen in feuchtem Sand in einem kühlen Keller oder in einer Erdmiete bei Temperaturen von 0 bis 2 °C. Achte beim Schneiden darauf, das obere Ende schräg und das untere gerade abzutrennen, damit du beim Pflanzen im Frühjahr die Polarität nicht verwechselst.

Welche Fruchtfolge-Regeln solltest du einhalten, um bodenbürtige Schaderreger zu minimieren?

Da Meerrettich zu den Kreuzblütlern gehört, musst du eine strikte Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Brassicaceen (wie Kohl, Raps oder Senf) einhalten. Dies ist die wirksamste vorbeugende Maßnahme, um hartnäckige Schaderreger wie Sclerotinia-Fäule, Wurzelbrand oder den Erreger der Kohlhernie im Boden zu kontrollieren.

Wie gehst du bei der Bekämpfung von hartnäckigen Unkräutern wie der Quecke vor?

Gegen die Gemeine Quecke (Elymus repens) solltest du bereits vor der Pflanzung mechanisch arbeiten oder zugelassene Graminizide im Nachauflauf einsetzen. Da die Kultur nach dem Austrieb empfindlich auf mechanische Störungen reagiert, ist ein unkrautfreies Feld vor dem Pflanzen entscheidend. Nutze gezielte Anwendungen, sobald das Unkraut ausreichend Blattfläche gebildet hat.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Behandlung gegen Alternaria-Blattbräune?

Achte ab Juni besonders bei feucht-warmer Witterung auf erste Symptome wie braun-schwarze Flecken auf den älteren Blättern. Eine Behandlung mit zugelassenen Fungiziden sollte präventiv oder bei den allerersten Befallssymptomen erfolgen, um den Blattapparat gesund zu erhalten. Beachte dabei unbedingt die Wartezeit der jeweiligen Pflanzenschutzmittel vor der Ernte.

Wie erkennst du, ob die Kultur bereit für die Ernte ist?

Die Erntereife erkennst du am vollständigen Absterben und Vergilben des oberirdischen Laubes im Spätherbst (meist ab Ende Oktober). Erst wenn die Nährstoffe vollständig aus den Blättern in die Wurzel verlagert wurden, hat der Meerrettich sein volles Aroma und seine maximale Haltbarkeit erreicht. Du kannst die Wurzeln dann den gesamten Winter über an frostfreien Tagen ernten.