Alle Kulturen
Kultur

Pastinak

Pastinaca sativa
PAVSA

Die Pastinake (Pastinaca sativa, EPPO-Code: PAVSA) ist eine traditionelle, zweijährige Kultur aus der Familie der Doldenblütler, die im professionellen Feldgemüsebau in Mitteleuropa eine bedeutende Renaissance erlebt. Als frostharte Wurzelkultur zeichnet sie sich durch ein charakteristisches, süßlich-würziges Aroma aus, das sich besonders nach Frosteinwirkung im Winter intensiviert. Der Anbau erfordert aufgrund der langen Entwicklungszeit und der langsamen Jugendentwicklung ein hohes Maß an pflanzenbaulicher Präzision.

Botanisch eng mit der Möhre verwandt, stellt die Kultur jedoch spezifische Anforderungen an die Bodenstruktur und die Unkrautregulierung. Da die Keimung sehr langsam erfolgt, ist das Zeitfenster für den Vorauflauf-Pflanzenschutz kritisch. Wirtschaftlich wird die Kultur sowohl für den Frischmarkt als auch für die industrielle Verarbeitung (z. B. für Babynahrung oder Frostware) nachgefragt, was hohe Qualitätsanforderungen an die äußere Form und die Freiheit von Schaderregern stellt.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Mitte Mai
Erntefenster
September bis März
Reihenabstand
35–50 cm
Typischer Ertrag
35–55 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2100 °C
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Für einen erfolgreichen Anbau der Kultur sind tiefgründige, steinfreie und gut strukturierte Böden wie sandige Lehme oder humose Sandböden unerlässlich. Schwere, tonige Böden führen unweigerlich zu Beinigkeit und Verzweigungen der Rüben, was die Vermarktungsfähigkeit drastisch reduziert. Eine sorgfältige Bodenvorbereitung, idealerweise durch tiefes Lockern im Herbst und das Anlegen von Dämmen im Frühjahr, fördert ein gerades Wurzelwachstum und erleichtert die spätere maschinelle Ernte. Da die Kultur empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert, muss jeglicher Maschineneinsatz bei nassen Bodenverhältnissen vermieden werden. Eine ausgeglichene Nährstoffversorgung ist wichtig, wobei eine übermäßige Stickstoffdüngung zu vermeiden ist, da sie das Laubwachstum auf Kosten der Wurzelqualität fördert und die Lagerfähigkeit mindert.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz bei dieser Kultur erfordert aufgrund der extrem langsamen Jugendentwicklung eine konsequente Unkrautregulierung direkt nach der Saat. Da chemische Pflanzenschutzmittel nur in begrenztem Umfang zugelassen sind, ist eine Kombination aus Vorauflauf-Herbiziden und mechanischem Hacken im Nachauflauf der Standard. Zu den bedeutendsten tierischen Schaderregern gehört die Möhrenfliege (Chamaepsila rosae), deren Larvenfraß die Wurzeln unverkäuflich macht; hier helfen Kulturschutznetze und ein gezieltes Monitoring mit Gelbtafeln. Pilzliche Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum (Sklerotinia-Rotfäule) und Rhizoctonia solani erfordern eine weite Fruchtfolge von mindestens vier bis fünf Jahren zu anderen Doldenblütlern und anfälligen Kulturen. Eine rechtzeitige Laubbehandlung mit zugelassenen Fungiziden schützt vor Echtem Mehltau und Blattfleckenkrankheiten, um die Photosyntheseleistung bis zur späten Ernte aufrechtzuerhalten.

Sorten

Mitra

Mittelspät

Sehr hoch und stabil unter verschiedenen Bodenverhältnissen.

Resistent gegen: Echter Mehltau

Anfällig für: Sklerotinia-Rotfäule

Sehr bewährte, ertragreiche Standardsorte für den Frischmarkt und die Industrie mit gleichmäßig geformten, reinweißen Wurzeln.

Aromata

Mittelfrüh bis mittelspät

Mittelhoher Ertrag, besticht durch hervorragende innere Qualität.

Anfällig für: Möhrenfliege, Wurzelbrand

Besonders aromatische Sorte mit schlanker, spitzer Wurzelform, ideal für den Bio-Anbau und den Direktvertrieb.

Javelin

Mittelspät

Sehr hoher Marktwarenertrag durch geringen Ausschuss.

Resistent gegen: Krebsfäule

Anfällig für: Rhizoctonia-Rübenfäule

Wüchsige F1-Hybride mit sehr glatter Haut und hoher Uniformität, was den Sortierabgang minimiert.

White Gem

Früh bis mittelfrüh

Konstanter, mittlerer Ertrag auch auf suboptimalen Standorten.

Resistent gegen: Wurzelschorf

Anfällig für: Echter Mehltau

Kurze, keilförmige Wurzeln, die sich besonders gut für schwerere Böden eignen, da sie weniger zu Verzweigungen neigen.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Herbiziden im Vorauflaufverfahren bei Pastinaken?

Da Pastinaken bis zu drei Wochen für die Keimung benötigen, muss die Vorauflauf-Behandlung dicht am Keimtermin der Kultur, aber vor dem Durchstoßen der Erdoberfläche (BBCH-Stadium 09) erfolgen. Ein zu früher Einsatz verpufft oft wirkungslos, während eine zu späte Anwendung nach dem Auflaufen schwere Phytotox-Schäden an den Keimblättern verursachen kann. Nutzen Sie das Blindstriegeln kurz vor dem Auflaufen, um erste Unkrautwellen mechanisch zu brechen.

Wie lässt sich das Risiko von Auswinterungsverlusten bei der späten Ernte im Feld minimieren?

Obwohl die Kultur extrem frosthart ist, können anhaltende Barfröste unter -10 °C das Gewebe der Rübenköpfe schädigen und Fäulniserreger begünstigen. Eine leichte Erdanhäufung über den Rübenköpfen im Spätherbst (BBCH-Stadium 49) oder das Belassen einer gesunden Laubdecke schützt das Herz der Kultur. Alternativ kann bei absehbaren Kahlfrösten Stroh oder Vlies aufgelegt werden.

Welche Rolle spielt die Fruchtfolge bei der Vermeidung von Rhizoctonia-Schäden?

Da Rhizoctonia solani ein extrem breites Wirtsspektrum besitzt, ist die Fruchtfolgegestaltung entscheidend. Vermeiden Sie den Anbau von Pastinaken direkt nach Kartoffeln, Leguminosen oder Mais. Als ideale Vorfrüchte gelten Getreidearten (außer Mais), da sie das Inokulum im Boden nicht vermehren. Zudem sollte eine Anbaupause von mindestens 4 Jahren für alle Doldenblütler eingehalten werden.

Wie wird der Befallsdruck der Möhrenfliege in der Kultur überwacht?

Die Überwachung erfolgt mithilfe von gelben Leimtafeln, die schräg knapp über dem Pflanzenbestand (ca. 10 cm über der Laubhöhe) aufgestellt werden. Der kritische Schwellenwert für eine chemische Behandlung liegt bei durchschnittlich 1 bis 2 Fliegen pro Gelbtafel und Woche während der Hauptflugzeiten (Mai/Juni für die erste Generation, August/September für die zweite Generation).

Warum ist die Kaliumversorgung für die Lagerfähigkeit von Pastinaken so wichtig?

Kalium steuert den osmotischen Druck und den Kohlenhydrattransport in die Wurzel. Eine ausreichende, betonte Kaliumdüngung im BBCH-Stadium 39 bis 45 festigt das Zellgewebe und erhöht den Zuckergehalt der Rübe. Dies senkt den Gefrierpunkt der Wurzelzellen im Winter und verringert die Anfälligkeit für Lagerfäulen wie Botrytis cinerea während der Langzeitlagerung.

Wie finde ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel für Pastinaken?

Suchen Sie im Hub nach dem EPPO-Code PAVSA oder dem deutschen Namen 'Pastinak'. Da Pastinaken in vielen Zulassungsdatenbanken unter der Obergruppe 'Wurzel- und Knollengemüse' oder 'Doldenblütler' geführt werden, zeigt Ihnen das System auch jene Pflanzenschutzmittel an, die über Erweiterungen des Zulassungsbereichs nach Artikel 51 (Lückenindikation) für diese Nischenkultur zugelassen sind.