Blattkohle
Die BVL-Kulturhauptgruppe „Blattkohle“ (Gruppe NNNKB) bündelt eine Vielzahl von ein- und zweijährigen Kohlgewächsen, bei denen primär die Blätter oder die gesamten oberirdischen Triebe geerntet und vermarktet werden. Zu dieser Gruppe gehören klassische europäische Wintergemüse wie Grünkohl und Palmkohl, aber auch asiatische Spezialitäten wie Chinakohl, Pak Choi, Mizuna, Komatsuna und Choy Sum sowie Nischenkulturen wie das Frühe Barbarakraut, Sareptasenf und Stielmus. Botanisch gehören fast alle diese Kulturen zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), was zu sehr ähnlichen physiologischen Merkmalen und Wachstumsansprüchen führt.
Aus Sicht des Pflanzenschutzes ist diese Zusammenfassung von enormer Bedeutung. Da viele dieser Kulturen – insbesondere die asiatischen Blattkohle – im Anbau oft kleinere Flächen einnehmen (Sonderkulturen), erleichtert die Gruppierung die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln über das sogenannte Lückenindikationsverfahren. Eine BVL-Zulassung für die Gruppe „Blattkohle“ ermöglicht es dir, registrierte Pflanzenschutzmittel flexibel auf allen zugeordneten Kulturen anzuwenden, ohne dass für jede einzelne Spezialität ein separates, langwieriges Zulassungsverfahren durchlaufen werden muss.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Der Pflanzenschutz in der Gruppe der Blattkohle erfordert aufgrund der kurzen Entwicklungszyklen mancher Kulturen (wie Pak Choi oder Mizuna) und der späten Ernte anderer (wie Grünkohl) ein feines Gespür. Zu den größten Herausforderungen zählen pilzliche Schaderreger wie Alternaria brassicae (Schwärze) und Neopseudocercosporella brassicae (Blattflecken), die die optische Qualität der Blätter direkt mindern und sie unverkäuflich machen. Im frühen Stadium oder bei feuchter Witterung können zudem Bodenpilze wie Rhizoctonia solani und Pythium-Arten zu erheblichen Ausfällen durch Auflaufkrankheiten führen. Ein konsequentes Unkrautmanagement gegen Schadpflanzen wie das Einjährige Rispengras (Poa annua), Gemeines Greiskraut (Senecio vulgaris) oder die Gemeine Quecke (Elymus repens) ist besonders in der Etablierungsphase entscheidend, um Konkurrenz um Licht und Nährstoffe zu minimieren. Im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes solltest du auf eine weite Fruchtfolge (mindestens drei bis vier Jahre Anbaupause zu anderen Kreuzblütlern) und eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung achten, um das Gewebe nicht unnötig mastig und anfällig für Schaderreger zu machen. Beim Einsatz von Fungiziden und Herbiziden ist ein striktes Resistenzmanagement nach FRAC- und HRAC-Vorgaben unerlässlich. Durch den gezielten Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen verhinderst du die Selektion resistenter Erregerpopulationen. Beachte dabei stets die spezifischen Wartezeiten, die bei den schnellwüchsigen asiatischen Blattkohlen oft sehr kurz kalkuliert sein müssen, um Rückstände im Erntegut sicher zu vermeiden.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich das Pflanzenschutzmanagement bei schnellwüchsigen asiatischen Blattkohlen im Vergleich zu Grünkohl?
Bei asiatischen Blattkohlen wie Pak Choi oder Mizuna ist die Vegetationszeit extrem kurz. Hier musst du den Fokus stark auf vorbeugende Maßnahmen und die mechanische Unkrautregulierung legen. Chemische Pflanzenschutzmittel haben oft Wartezeiten, die die kurze Kulturzeit überschreiten. Bei Grünkohl hingegen, der über viele Monate auf dem Feld steht, spielen späte Behandlungen gegen pilzliche Schaderreger im Herbst eine größere Rolle, wobei du hier die BBCH-Stadien genau im Blick behalten musst.
Darf ich ein Pflanzenschutzmittel, das allgemein für „Blattkohle“ zugelassen ist, auf allen Mitgliedskulturen dieser Gruppe anwenden?
Ja, das ist der große Vorteil dieser BVL-Gruppierung. Wenn ein Pflanzenschutzmittel eine Zulassung für die Gruppe „Blattkohle“ (NNNKB) erhalten hat, gilt diese Zulassung für alle zugeordneten Kulturen – von Chinakohl über Pak Choi bis hin zu selteneren Kulturen wie dem Frühen Barbarakraut oder Stielmus. Achte jedoch immer auf eventuelle spezifische Anwendungsbestimmungen oder abweichende Wartezeiten im Zulassungstext für einzelne Kulturen.
Was muss ich beim Resistenzmanagement gegen Alternaria-Blattflecken in Blattkohlen beachten?
Da Alternaria brassicae ein hohes Risiko für Resistenzbildungen aufweist, solltest du Fungizide mit unterschiedlichen FRAC-Klassifizierungen im Wechsel einsetzen. Verwende beispielsweise nicht mehrmals hintereinander Mittel aus der Gruppe der Strobilurine (FRAC 11) oder der SDHI (FRAC 7). Kombiniere oder wechsle diese mit Kontaktfungiziden, sofern diese für die jeweilige Anwendung zugelassen sind, um den Selektionsdruck zu minimieren.
Wann ist der optimale Zeitpunkt, um auf Auflaufkrankheiten wie Rhizoctonia oder Pythium zu kontrollieren?
Die kritische Phase liegt direkt zwischen der Keimung und dem frühen Jugendstadium (BBCH 10 bis 19). Kontrolliere deine Bestände in dieser Zeit engmaschig, besonders bei feucht-kühler Witterung oder auf verschlämmungsgefährdeten Böden. Da gegen diese bodenbürtigen Schaderreger nachträglich kaum chemisch eingegriffen werden kann, helfen dir diese Beobachtungen vor allem für die Planung zukünftiger Kulturzyklen (z. B. Optimierung der Saatbettbereitung oder der Fruchtfolge).
Wie finde ich im Agronomy-Hub gezielt Pflanzenschutzmittel gegen bestimmte Schaderreger für meine Blattkohl-Kultur?
Nutze die Filterfunktionen in unserem Hub. Du kannst gezielt nach der Kulturgruppe „Blattkohle“ filtern und anschließend den gesuchten Schaderreger (z. B. Alternaria brassicae oder einkeimblättrige Unkräuter) auswählen. Das System zeigt dir dann ausschließlich die aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel an, inklusive aller relevanten Anwendungsbestimmungen, Aufwandmengen und Wartezeiten.