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Kulturgruppe

Gewürzkräuter

12 Mitgliedskulturen
NNNAK

Die BVL-Kulturgruppe „Gewürzkräuter“ (Gruppe NNNAK) fasst eine botanisch und phytomedizinisch diverse Auswahl an Kulturen zusammen, die primär wegen ihrer aromatischen Inhaltsstoffe angebaut werden. Hierzu gehören sowohl ein- und zweijährige krautige Kulturen wie Dill (Anethum graveolens), Koriander (Coriandrum sativum) und Schnittpetersilie (Petroselinum crispum) als auch mehrjährige Kulturen wie Liebstöckel (Levisticum officinale) oder sogar Gehölze wie der Wacholder (Juniperus sp.). Auch Gemüsepaprika (inklusive Peperoni und Chili) ist dieser Gruppe für spezifische zulassungsrechtliche Zwecke zugeordnet.

Die Zusammenfassung dieser Kulturen in einer gemeinsamen Gruppe erleichtert das Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel im Rahmen des sogenannten „Minor Use“-Programms (Lückenindikation). Da viele dieser Gewürzkräuter im Vergleich zu großen Ackerkulturen als Sonderkulturen mit geringer Anbaufläche gelten, wäre eine Einzelzulassung für jede Kultur für die Hersteller oft wirtschaftlich unrentabel. Durch die Gruppierung können Zulassungen oder Genehmigungen für die gesamte Gruppe der Gewürzkräuter erteilt werden, was dir als Anbauer eine breitere Palette an rechtssicheren Pflanzenschutzoptionen eröffnet.

Pflanzenschutz auf Gruppenebene

Im Pflanzenschutz der Gewürzkräuter stehen bodenbürtige Schaderreger sowie Auflaufkrankheiten im Fokus, da viele Vertreter dieser Gruppe eine langsame Jugendentwicklung aufweisen. Pilze wie Rhizoctonia solani und Fusarium oxysporum können insbesondere in der Etablierungsphase zu massiven Ausfällen führen. Zudem stellt Botrytis cinerea bei feuchter Witterung und dichtem Stand ein erhebliches Risiko für die Blatt- und Stängelqualität dar. Ein integrierter Ansatz ist hier unerlässlich: Weite Fruchtfolgen, die Wahl optimal drainierter Standorte zur Vermeidung von Staunässe und eine angepasste Saatdichte mindern das Infektionsrisiko erheblich. Da viele Gewürzkräuter direkt verzehrt werden, spielen Rückstandshöchstmengen (MRL) und die strikte Einhaltung der Wartezeiten eine überragende Rolle. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist ein konsequentes Resistenzmanagement nach FRAC (Fungizide) und HRAC (Herbizide) zwingend erforderlich. Da für Sonderkulturen oft nur wenige Wirkstoffklassen zugelassen sind, ist das Risiko einer Resistenzbildung besonders hoch. Du solltest Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen konsequent abwechseln und nicht-chemische Maßnahmen wie mechanische Unkrautregulierung (z. B. Hacken oder Striegeln) fest in deine Strategie integrieren, um den Selektionsdruck zu minimieren.

Kulturen in dieser Gruppe

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob ein Pflanzenschutzmittel für alle Kulturen der Gruppe „Gewürzkräuter“ zugelassen ist?

Achte im Zulassungsbescheid oder in der Online-Datenbank des BVL genau auf die Formulierung. Ist die Anwendung für die gesamte Gruppe „Gewürzkräuter“ (NNNAK) ausgewiesen, darfst du das Mittel auf allen gelisteten Kulturen dieser Gruppe einsetzen. Ist die Zulassung jedoch auf einzelne Kulturen wie „Schnittpetersilie“ oder „Dill“ beschränkt, ist der Einsatz auf anderen Gruppenmitgliedern ohne explizite Genehmigung unzulässig.

Wann ist der kritischste Zeitpunkt für die Behandlung gegen bodenbürtige Schaderreger wie Rhizoctonia?

Die kritischste Phase liegt in den frühen BBCH-Stadien, direkt von der Keimung (BBCH 09) bis zum Auflaufen und der Entfaltung der ersten Laubblätter (BBCH 10–12). Da Behandlungen nach dem Auflaufen gegen bodenbürtige Pilze meist wirkungslos sind, musst du präventive Maßnahmen ergreifen. Dazu gehören eine professionelle Saatgutbehandlung (sofern zugelassen) und die Optimierung der Saatbettbedingungen, um ein schnelles Auflaufen zu fördern.

Wie vermeide ich Resistenzen, wenn mir nur sehr wenige Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen?

Nutze das Prinzip des integrierten Pflanzenschutzes voll aus. Kombiniere chemische Maßnahmen mit mechanischer Unkrautbekämpfung und biologischen Präparaten (z. B. nützlichen Bodenbakterien oder -pilzen). Wenn du chemische Pflanzenschutzmittel einsetzt, wechsle systematisch zwischen den FRAC- oder HRAC-Klassen und reize die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Saison nicht unnötig aus.

Was muss ich bei der Wartezeit (PHI) beachten, wenn ich Gewürzkräuter mehrfach im Jahr beernte?

Bei Kulturen, die mehrfach geschnitten werden (wie Schnittpetersilie oder Schnittsellerie), bezieht sich die angegebene Wartezeit immer auf den Zeitraum zwischen der letzten Anwendung und dem darauffolgenden Schnitt. Du musst sicherstellen, dass auch bei aufeinanderfolgenden Schnitten die Wartezeit für jede einzelne Applikation exakt eingehalten wird, um Rückstandsüberschreitungen im Erntegut sicher zu vermeiden.

Warum sind Moose (Bryophyta) in dieser Kulturgruppe als Schaderreger gelistet und wie gehe ich damit um?

Moose treten vor allem in mehrjährigen Kulturen (wie Wacholder) oder bei sehr langsam wachsenden Kräutern in feuchten Jahren als Konkurrenten auf. Sie besiedeln den offenen Boden, verschlämmen die Oberfläche und entziehen jungen Keimlingen Licht und Nährstoffe. Da es kaum zugelassene Herbizide gegen Moose gibt, musst du mechanisch durch flaches Hacken oder durch das Aufbringen von Mulchmaterialien gegensteuern, um den Boden offen und abgetrocknet zu halten.