Teekräuter
Die BVL-Kulturgruppe „Teekräuter“ (Gruppe NNNTK) fasst eine botanisch sehr diverse Gruppe von Kulturen zusammen, deren Blätter, Blüten, Samen oder Wurzeln primär für die Aufguss- und Teezubereitung genutzt werden. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Gruppe gehören bekannte Arznei- und Gewürzpflanzen wie Kamille-Arten, Salbei, Melisse, Minze-Arten sowie Thymian. Auch holzige Kulturen wie Sanddorn, Schwarze Johannisbeere und Schwarzer Holunder sind hier vertreten, sofern deren Pflanzenteile für Teeanwendungen geerntet werden.
Die Zusammenfassung dieser botanisch oft weit voneinander entfernten Kulturen (von krautigen Korbblütlern bis hin zu verholzenden Sträuchern) erfolgt aus zulassungsrechtlichen Gründen. Da viele dieser Kulturen als Nischenkulturen („Minor Crops“) gelten, erleichtert die Gruppierung die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen von Lückenindikationen. So können Rückstandshöchstmengen (MRLs) und Anwendungsvorgaben effizienter für die gesamte Gruppe harmonisiert werden, was dir als Anbauer eine breitere Palette an rechtssicheren Behandlungsoptionen bietet.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Im integrierten Pflanzenschutz der Teekräuter steht die Gesunderhaltung des Ernteguts im Vordergrund, da optische Mängel oder geschmackliche Beeinträchtigungen direkt zur Unverkäuflichkeit führen. Zu den größten Herausforderungen gehören bodenbürtige Pilze wie Rhizoctonia solani, Sclerotinia sclerotiorum und Fusarium oxysporum, die Welkeerscheinungen und Fäulnis verursachen. Auch Botrytis cinerea kann bei feuchter Witterung dichte Bestände rasch schädigen. Da viele Teekräuter mehrjährig kultiviert werden, ist zudem der Unkrautdruck durch ausdauernde Arten wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) oder Einjährige Rispe (Poa annua) hoch. Ein konsequentes mechanisches Unkrautmanagement und eine weite Fruchtfolge sind essenziell, um den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel auf ein Minimum zu reduzieren. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln innerhalb dieser Gruppe musst du besonders auf das Resistenzmanagement achten. Durch die oft begrenzte Anzahl zugelassener Wirkstoffe ist das Risiko von Resistenzbildungen hoch. Wechsle daher konsequent zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen gemäß den FRAC- (für Fungizide) und HRAC-Klassifizierungen (für Herbizide). Beachte zudem, dass Rückstände im Endprodukt strengen gesetzlichen Grenzwerten unterliegen. Die Einhaltung der vorgeschriebenen Wartezeiten und die Applikation in den optimalen BBCH-Stadien sind zwingend erforderlich, um die Verkehrsfähigkeit deiner Ernte nicht zu gefährden.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie finde ich heraus, ob ein Pflanzenschutzmittel für meine spezifische Teekräuter-Kultur zugelassen ist?
Wenn ein Pflanzenschutzmittel eine Zulassung für die gesamte BVL-Gruppe „Teekräuter“ (NNNTK) besitzt, darfst du es grundsätzlich auf allen Mitgliedskulturen dieser Gruppe anwenden. Achte jedoch im Zulassungstext genau auf eventuelle Einschränkungen (z. B. „nur zur Nutzung als Blatttee“ oder den Ausschluss bestimmter Kulturen wie Sanddorn). Im Zweifel hilft dir die gezielte Suche nach der Gruppenzulassung in unserer Produktdatenbank.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Fungizidbehandlung gegen Botrytis bei Teekräutern?
Die Behandlung sollte präventiv bei feucht-warmer Witterung erfolgen, bevor sich dichte Bestände schließen (oft im BBCH-Bereich 30 bis 39). Sobald die Blütenbildung (ab BBCH 51) einsetzt, steigt bei vielen Kulturen wie Kamille oder Ringelblume das Risiko von Rückständen im Erntegut. Halte dich strikt an die Wartezeiten, da Teekräuter nach der Ernte meist direkt getrocknet werden und sich Rückstände dadurch konzentrieren können.
Wie vermeide ich Resistenzen, wenn mir nur wenige Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen?
Nutze alle pflanzenbaulichen Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes aus: Weite die Fruchtfolge aus, wähle tolerante Sorten und setze auf mechanische Unkrautregulierung. Wenn du chemische Pflanzenschutzmittel einsetzt, kombiniere oder rotiere Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (FRAC- und HRAC-Gruppen). Vermeide wiederholte Solo-Anwendungen desselben Wirkstoffs in einer Saison.
Warum ist die Bekämpfung von Quecke und einjährigen Gräsern in Teekräutern so kritisch?
Ausdauernde Unkräuter wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) konkurrieren stark um Wasser und Nährstoffe, besonders in mehrjährigen Kulturen wie Minze oder Salbei. Zudem erschweren Gräser die mechanische Ernte und können das Erntegut verunreinigen. Da Fremdpflanzen im Tee sensorische Mängel oder gar gesetzliche Verunreinigungen (z. B. durch Pyrrolizidinalkaloide bei bestimmten Unkräutern) verursachen können, ist eine saubere Kulturführung ab dem Auflaufen essenziell.
Was muss ich bei der Applikation von Pflanzenschutzmitteln bezüglich der Wartezeit beachten?
Die Wartezeit (PHI) beschreibt den Mindestzeitraum zwischen der letzten Anwendung und der Ernte. Da Teekräuter oft mehrfach im Jahr geschnitten werden (z. B. Melisse oder Minze), musst du den Behandlungszeitpunkt exakt auf deine geplanten Ernteschnitte abstimmen. Planst du mehrere Schnitte, appliziere Pflanzenschutzmittel idealerweise direkt nach einem Schnitt, um die maximale Zeitspanne bis zur nächsten Ernte zu nutzen.