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Kulturgruppe

frische Kräuter

41 Mitgliedskulturen
NNNKF

Die BVL-Kulturklasse „frische Kräuter“ (Gruppe NNNKF) bündelt eine botanisch sehr diverse, aber nutzungstechnisch homogene Gruppe von Kulturen, die primär für den Frischverzehr oder die direkte Weiterverarbeitung geerntet werden. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Gruppe gehören unter anderem Basilikum-Arten, Schnittpetersilie, Schnittlauch, Dill, Salbei, Thymian und Minze-Arten. Trotz ihrer unterschiedlichen botanischen Zugehörigkeiten – von Doldenblütlern über Lippenblütler bis hin zu Lauchgewächsen – teilen diese Kulturen ähnliche Anbauverfahren im Freiland sowie unter Glas und weisen vergleichbare Anforderungen an den Pflanzenschutz auf.

Die Zusammenfassung in dieser BVL-Gruppe erleichtert das Registrierungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln erheblich. Da viele dieser Kulturen als Nischenkulturen (Minor Crops) gelten, wäre eine Einzelzulassung für jede spezifische Kultur wirtschaftlich oft nicht tragbar. Durch die Gruppierung können Zulassungen für die gesamte Gruppe „frische Kräuter“ erteilt werden, was den Erzeugern ein breiteres Spektrum an rechtssicheren Behandlungsoptionen gegen relevante Schaderreger eröffnet und gleichzeitig die Einhaltung von Rückstandshöchstmengen (MRL) harmonisiert.

Pflanzenschutz auf Gruppenebene

Der Pflanzenschutz bei frischen Kräutern ist durch die kurze Kulturzeit vieler Arten und die direkte Nutzung der Blätter und Stängel besonders anspruchsvoll. Zu den dominierenden pilzlichen Schaderregern gehören bodenbürtige Pilze wie Rhizoctonia solani, Fusarium oxysporum sowie Sclerotinia-Arten (Sclerotinia sclerotiorum und Sclerotinia minor), die zu Umfallkrankheiten oder Fäulnis führen. Zudem stellt Botrytis cinerea (Grauschimmel) insbesondere unter feuchten Bedingungen oder im geschützten Anbau ein erhebliches Risiko dar. Da die geernteten Pflanzenteile direkt vermarktet werden, haben optische Mängel durch Schaderregerbefall oder Rückstände von Pflanzenschutzmitteln eine direkte Auswirkung auf die Marktfähigkeit. Integrierte Pflanzenschutzmaßnahmen wie weite Fruchtfolgen, optimierte Bewässerung zur Vermeidung von Blattnässe und der Einsatz von widerstandsfähigen Sorten stehen daher im Vordergrund. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist ein striktes Resistenzmanagement nach den Vorgaben von FRAC, IRAC und HRAC zwingend erforderlich. Da für diese Gruppe oft nur eine begrenzte Anzahl an Wirkstoffen zugelassen ist, erhöht sich das Risiko von Resistenzbildungen bei wiederholter Anwendung derselben Wirkstoffklassen. Ein konsequenter Wirkstoffwechsel sowie die Kombination mit biologischen Präparaten sind essenziell. Zudem müssen die spezifischen Wartezeiten penibel eingehalten werden, da zwischen der letzten Anwendung und der Ernte oft nur wenige Tage liegen, um die gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte sicher zu unterschreiten.

Kulturen in dieser Gruppe

Agastache-ArtenAJTSS
Basilikum-ArtenOCISS
Beifuß-ArtenARTSS
Blauer SteinkleeTRKMC
BockshornkleeTRKFG
BohnenkrautSTIHOBorretschBOROF
Brennnessel-ArtenURTSS
BärlauchALLUR
DillAFEGR
DostORISS
Gelber SteinkleeMEUOFGemeine RingelblumeCLDOFKapuzinerkresseTOPMAKerbelANRCEKorianderCORSAKümmelCRYCALiebstöckelLEWOFLorbeerLURNOMajoranMAJHOMelisseMLSOFMinze-ArtenMENSS
MuskatsalbeiSALSC
MutterkrautCHYPA
OreganoORIVUPelargonium-ArtenPELSSRosmarinRMSOFSalbeiSALOFSauerampferRUMACSchnittlauchALLSCSchnittpetersiliePARCRSchnittsellerieAPUGS
ShungikuCHYCO
SteviaSVARE
Thymian, GemeinerTHYVU
WaldmeisterGALOD
WiesenknopfSANSS
WinterbohnenkrautSTIMO
WirtelmalveMALVE
YsopHYSOF
ZitronenthymianTHYCI

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

AFEPASA GREENHOUSE SULPHUR TABLETS
AFEPASA GLOBAL SAU
00A990-00
AFINTO
ISK Biosciences Europe N.V.
025691-61
AGIL-S
ADAMA Deutschland GmbH
034107-00
AGRICON Bio Schneckenkorn
COMPO GmbH
027517-62
Alginure Ascophos
TILCO-Alginure GmbH
007839-61
Alginure Bio Schutz
TILCO-Alginure GmbH
007839-00
Aliette WG
Bayer CropScience Deutschland GmbH
043099-00
Alitis Spezial-Pilzfrei
Bayer CropScience Deutschland GmbH
043099-65
ASKON
Syngenta Agro GmbH
006902-00
Assure
Nissan Chemical
034060-63
BATALIN
ADAMA Deutschland GmbH
034107-63
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-63
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Akut AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-67
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-63
Bayer Garten Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-69
Bayer Garten Orchideen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-72
Bayer Garten Orchideen- & Zierpflanzenspray Lizetan
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-74
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan AZ
Trifolio-M GmbH
024436-67
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan Gießmittel AZ
Trifolio-M GmbH
024436-66
Bayer Garten Schneckenkorn Protect MaXX
DE SANGOSSE
007825-61
Bayer Garten Spezial-Pilzfrei
Bayer CropScience Deutschland GmbH
043099-62
Bayer Garten Spezial-Pilzfrei Aliette
Bayer CropScience Deutschland GmbH
043099-63
Bayer Garten Zierpflanzen- & Rosen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-73
BELOUKHA
Certis Belchim B.V.
008528-00
Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei
W. NEUDORFF GMBH KG
024780-72
Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-78
Bioten
Gowan Crop Protection Limited
007137-00
Boccacio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
024560-73
Boccarcio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
034560-73
Buchsbaumzünslerfrei
Trifolio-M GmbH
024436-75
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Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob ein Pflanzenschutzmittel für alle Kulturen der Gruppe „frische Kräuter“ zugelassen ist?

Wenn in der Zulassungsdatenbank des BVL die Anwendung für die übergeordnete Gruppe „frische Kräuter“ (NNNKF) ausgewiesen ist, gilt diese Zulassung für alle in der Gruppe gelisteten Kulturen wie Basilikum, Schnittlauch oder Dill. Ist die Anwendung jedoch explizit auf einzelne Kulturen (z. B. „nur Schnittpetersilie“) beschränkt, darf das Pflanzenschutzmittel nicht auf anderen Vertretern der Gruppe angewendet werden. Achten Sie stets auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen und Auflagen im Zulassungstext.

Welche Bedeutung haben die BBCH-Stadien bei der Terminierung von Fungizidbehandlungen gegen Botrytis?

Behandlungen gegen Botrytis cinerea müssen präventiv erfolgen, da etablierte Infektionen kaum noch heilbar sind. Kritische Phasen liegen meist in den BBCH-Stadien der intensiven Blattentwicklung (BBCH 15 bis 19) und vor dem Reihenschluss, da sich hier ein feuchtes Mikroklima im Bestand bildet. Nach dem Reihenschluss oder kurz vor der Ernte schränken die einzuhaltenden Wartezeiten den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel stark ein, weshalb in späten BBCH-Stadien vor allem auf biologische Präparate oder kulturtechnische Maßnahmen gesetzt werden sollte.

Wie lässt sich ein effektives HRAC-Resistenzmanagement bei der Unkrautbekämpfung in Kräutern umsetzen?

Da für die Bekämpfung von einkeimblättrigen Unkräutern wie Poa annua oder Elymus repens in Kräuterkulturen nur sehr wenige Herbizidwirkstoffe zur Verfügung stehen, ist das Risiko von HRAC-Resistenzen hoch. Ein einseitiger Einsatz von z. B. ACCase-Hemmern (HRAC-Gruppe 1) muss durch mechanische Unkrautbekämpfung (Hacken, Striegeln) und das Verfahren des falschen Saatbeets flankiert werden. Chemische Behandlungen sollten auf das absolute Minimum reduziert und idealerweise in ein mechanisch-chemisches Kombinationsverfahren integriert werden.

Welche kulturtechnischen Maßnahmen mindern das Risiko von bodenbürtigen Schaderregern wie Rhizoctonia und Sclerotinia?

Da Wirkstoffe gegen bodenbürtige Schaderreger wie Rhizoctonia solani und Sclerotinia-Arten stark limitiert sind, ist die Prävention entscheidend. Dazu gehören eine weite Fruchtfolge (keine unmittelbare Aufeinanderfolge von anfälligen Kulturen wie Korbblütlern oder Hülsenfrüchtlern), die Vermeidung von Staunässe durch präzise Bodenbearbeitung und Drainage sowie eine bedarfsgerechte, bodennahe Bewässerung (z. B. Tröpfchenbewässerung statt Überkopfberegnung), um die Blattoberflächen trocken zu halten.

Warum müssen bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Kräutern die Formulierungshilfsstoffe besonders beachtet werden?

Viele frische Kräuter besitzen empfindliche Blattoberflächen mit feinen Haaren oder empfindlichen Wachsschichten (z. B. Salbei, Majoran). Bestimmte Formulierungshilfsstoffe in Pflanzenschutzmitteln, insbesondere Emulsionskonzentrate (EC), können unter intensiver Sonneneinstrahlung oder bei hohen Temperaturen Phytotoxizität (Blattverbrennungen) hervorrufen. Es empfiehlt sich, Behandlungen in den kühlen Abendstunden durchzuführen und bei empfindlichen Kulturen vorab eine Probespritzung auf einer kleinen Teilfläche vorzunehmen.